Hat hier jemand Krise gesagt?

Jeder hat einen Crash Artikel, hier kommt meiner. Dieser hätte Anfang Februar eine andere Tonalität gehabt als heute. Heute bin ich wieder in meiner Normalform und halte es mit Alfred E. Neumann und einem gepflegten: „Na und?“

Ich kann nur lachen über die Crash-Abfeierer, die hier ihren Lesern eine riesige Chance verkaufen wollen. Man muss schon bei 26 Millionen Arbeitslosen alleine in den USA und Kurzarbeit in Deutschland ziemlich weich in der Rübe sein, um solche Botschaften loswerden zu wollen. Auch Josh Brown aka the reformed broker hatte zu Beginn der Krise solche Töne angeschlagen, nur um schnell zu merken, dass das gar keine gute Idee ist und überhaupt nicht gut ankommt.

Ebenso kann man gerade erkennen, warum alle naiven Schlauberger in den letzten Jahren falsch gelegen haben mit ihrer Idee: man müsste doch nur zurückreisen ins Jahr 2009 und dort alles Geld investieren – epic Profit!

Weil der Plot aus „Zurück in die Zukunft II“ nur im Film funktioniert.

Und weil die Krise nicht auf dem Papier stattfindet. Sondern sehr reale Auswirkungen hat. Wenn global und quer durch alle Branchen Kurzarbeit angesagt ist, habe ich andere Prioritäten hinsichtlich meinem Ersparten als wenn wenn jahrelange nur Normalbetrieb herrscht. 

Mir ist zumindest ziemlich schnell aufgefallen, dass meine Idee von Cash-Quote für normale Zeiten ausgelegt war. Aber nicht für eine echte Rezession, wo ich vielleicht monatelang keine neuen Projekte bekommen würde als Selbstständiger.

Das Geld ist nicht da für die meisten Anleger. Die wenigsten werden auf einem dicken Cash Berg gesessen haben. Und genau auf den Februar 2020 gewartet haben um dann alles zu investieren. Was auch die nächste spannende Frage wäre: wann steigt man denn eigentlich wieder ein? Während Otto-Normal-Aktionär noch herumrätselt, ob es das schon war und wie das überhaupt sein kann bei der Schwere der Krise, sind die Aktienindizes in den USA schon wieder so halb draußen aus dem roten Bereich bzw. komplett draußen. Der NASDAQ 100 ist auf 3 Monate bei 0%. Der S&P 500 bei knapp – 10%. Die Chance um billig einzusteigen ist schon längst vorbei. Ich habe jedenfalls zugeschlagen und nach und nach Positionen aufgebaut. 

Entweder kommt eine zweite Infektionswelle und dann rauschen wir steil ab. Oder die Märkte geben getrieben vom Handeln der Notenbanken Vollgas.

Die Krise ist da. Aber nicht an der Börse, sondern im echten Leben.

Der Begriff „Risiko“ stellt sich nochmal anders aus. Immobilien wirken auf einmal deutlich riskanter, wo Mieter mit staatlicher Unterstützung auf Mietzahlungen verzichten können in Coronazeiten. Finde ich prinzipiell gut – nur Vermieter möchte ich da nicht sein.

Ebenso die nicht tot zu kriegende Idee der Dividendenstrategien – da wird es einige lange Gesichter geben, wenn bei vielen Firmen Dividenden gestrichen werden. Generell ist es vielleicht nicht gerade ein gutes Zeichen, wenn Firmen nicht wissen wohin mit ihrem Geld und es an die Aktionäre zurückgeben.

Gar nicht riskant dagegen Tech Aktien und der NASDAQ 100 – das sind die Gewinner der Krise. Oder anders: das war nicht deren Krise. Könnte nächstes Mal anders aussehen – der echte Meltdown droht von ganz oben: When Will God Destroy Our Money?

Der Crash war ein guter Test um mal zu fühlen, wie sich ein hartes Abrauschen des Marktes anfühlt. Was es mit einem macht und welche Gefühle es in der Magengegend auslöst. Für mich selbst: ich bin derzeit nicht auf das Geld angewiesen. Das sähe anders aus, wenn ich in Rente wäre und von dem Geld leben werde. Ich werde keine staatliche Rente aus der Deutschen Rentenversicherung bekommen. Konkret gelernt habe ich: ich unterschätze das Krisenpotential deutlich. Als Regel nehme ich mir mit: Wenn in Rente, dann Geld für 3 Jahre in Nicht-Aktien-Assets wie Anleihen anlegen.

 

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