Die politische Ökonomie und das Ende von Amazon

Da waren sie wieder, die Tweets von Donald Trump.

Die Tweets, in denen er zum wiederholten Male gegen Amazon pöbelte. Dabei geht es um die Berichterstattung der Washington Post, die Jeff Bezos und nicht Amazon gehört. Trump unterstellt, dass Bezos die WaPo nutzt, um politischen Einfluß zu betreiben.

Es ist letztlich egal, dass Trump die Fakten verdreht und falsch darstellt (hier die Richtigstellung der Fakten in der Washington Post).

Es gibt keine „internet tax“, Amazon betreibt keine Lobbyarbeit mehr gegen das Einziehen der Steuern und führt brav Steuern ab. Und es gibt keine „Amazon Washington Post“.

Es kann sein, dass Trump gerade nur droht und poltert. Ernst nehmen kann man das eigentlich nicht.

Nur postet Trump auch ganz gerne Screenshots der Börsenkurse seit Amtseinführung. Für die er die Lorbeeren einheimsen möchte. Das ist der Narzissmus einer Person, die immer nur gewinnen kann. Nur was passiert, wenn die Gewinne an der Börse ausbleiben? Die Performance der Börse hat nichts oder nur indirekt etwas mit Trump zu tun. Was wir gerade sehen ist ein aufgeblasener Hanswurst, der schon in guten Zeiten überall Feinde sieht, mit denen er streitet. Die Frage ist, was passiert, wenn die wirtschaftliche Lage sich ändert. Und Trump auf die Idee kommt, dass er abliefern muss.

Dazu kommt die Fixierung von Trump auf „Jobs“. Und die größten Jobkiller in den USA sind nicht mexikanische Malquiladora-Fertigungsstraßen , die die mexikanische Wirtschaft nach NAFTA beflügelt haben. Sondern Amazon mit dem Geschäftsmodell, disruptiv Geschäftsbereiche aufmischen zu wollen. Eben auch den Einzelhandel:

The pace of this “disinflationary” effect seems to have begun to accelerate. Retail jobs are down 89,000 payrolls since October. It is expected that 8,600 retail stores will close their doors this year. Abandoned mall porn is making the rounds on social media once again this summer as JC Penney and Sears teeter on the brink of reorganization.

This is taking place as Amazon and the cloud computing / ecommerce / software companies that enable the trend add hundreds of billions to their market caps. Fighting to save the coal industry, which is small enough to fit into a thimble, is hilariously anachronistic in an era during which every kind of white collar worker is losing sleep over his or her own replaceability.

http://thereformedbroker.com/2017/06/28/be-good-just-not-too-good/

Wenn man sich so durchliest, was in regierungsnahen Websites so geschrieben wird, dann bekommt man ein Bild von der Drohkulisse. Diese Texte lesen sich nämlich so an, als könnten sie aus der europäischen Union stammen, wo man in guter, alter Industriepolitik-Manier versucht gegen die US-Technologiefirmen Strafen zu verhängen. So findet sich etwa auf Breitbart aktuell ein Artikel, in dem der Lobbyist Fred Campbell Amazon erwähnt, aber dann Google als „Gefahr für die Demokratie“ bezeichnet.

Und damit haben sich die politischen Rahmenbedingungen im Unterschied zu den beiden Obama-Amtszeiten massiv geändert. Die US-Regierung stellt sich feindlich gegen bestimmte Technologie-Firmen. Und das wird auch international Auswirkungen haben. Als Apple 2016 mit den Steuerzahlungen an Irland mit der EU im Streit lag, schaltete sich Obama unauffällig hinter den Kulissen ein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das unter Trump in der Form nicht passieren wird. Außer als „Deal“, mit der die Firma für politische Hilfestellung zur Kasse gebeten wird.

Über die mögliche Zerschlagung von Amazon hat Scott Galloway ein Video veröffentlicht:

Seine Prognose lautet: Amazon wächst auf 1 Trillionen Dollar Markt Cap an und wird dann unter „Anti Trust Laws“ zerschlagen.

Ob das so kommt, bleibt offen. Ich selbst halte es dann eher für möglich, dass Trump die Drohkulisse nutzt um am Ende „internet taxes“ gegen Tech-Companies einzuführen nach der Logik: „Ihr könnt es euch aussuchen: Zerschlagung oder Steuern zahlen.“

Fazit

Das politische Risiko ist mit Trump für Technologie-Firmen gestiegen. Letzten Endes wissen wir nicht, was die Zukunft bringt. Und ich selbst würde hier auf nichts wetten.

Trump den Wind aus den Segeln nehmen könnte Jeff Bezos, indem er sich von der Washington Post trennt.

Aber auch das sind alles Optionen auf dem Spielbrett.

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