fool.com Mitgliedschaft – Top oder Flop?

Ich habe seit Juli 2016 ein Abo für Motley Fool – die besser bekannt sind unter fool.com. Und zwar den Rule Breakers Newsletter der amerikanischen Version der Website.

Irgendwann bemerkte ich, dass sich meine Informationsbeschaffung zu Aktien immer im Kreis drehten. Und zwar rief ich extrem oft finanzen.net auf. Dort finden sich Gratis Nachrichten zu deutschen Konzernen, Schwerpunkt DAX. Und maximal ein paar US-amerikanischen Blue Chip Werten. Über Suchfunktionen komme ich zwar an Listen mit Unternehmen, nur weiß ich dann noch nichts über die Aktie. Und nach welchen Kriterien suche ich? Wie suche ich also nach neuen Investments?

Ich war also auf der Suche nach Input für meine Watch- und Kaufliste. Und einem Sparringpartner. Einem Gegenüber, an dem ich mich abarbeiten kann. Und ich war auf der Suche nach Aktien aus den USA. Die Gratis-Version von fool.com verfolgte ich seit längerem. So kam dann die Idee auf, sich für einen Bezahlservice anzumelden. Eine umfassende Recherche zu Firmen ist als Einzelperson nicht zu leisten. Meine Idee war daher, sich von fool.com Recherchen liefern zu lassen und sich selbst ein Urteil zu bilden. Geld für Analysen zu bezahlen halte ich für eine gute Sache. Denn gerade im Internet gilt: there is no such thing as free advice. Wenn du nicht bezahlst, liest duu Werbung. Und das bedeutet, dass dir gerade jemand etwas verkauft. Und das ist bei Investment-Entscheidungen eher schlecht. Also: ich lasse mich lieber mit einer Analystenfirma ein, deren Geschäftsmodell im Verkauf von Analysen besteht.

Generell ist fool.com kein monolithischer Block. Die Einschätzungen zwischen Rulebreaker und dem Gratis-Teil weichen teils erheblich voneinander ab. Was nicht schlecht sein muss.

Wenn ich aber ehrlich bin, habe ich mit allen von mir handgepickten Vorschlägen von fool.com minus gemacht. Skyworks Solutions ist eine Top-Firma ohne Schulden, wurde aber vom iPhone-Rückgang massiv getroffen. Das war noch vor Rule Breakers, wo die Aktie aber auch empfohlen wurde. 2 Jahre lang lag ich damit im Minus, auf einmal sprang im Januar 2017 der Kurs nach oben. Ebenso Fitbit, wo ich nach 6 Monaten bei -53% gegenüber dem Einstiegswert gelandet bin. Ich könnte sogar sagen: alles was ich über fool.com gekauft habe, hat mir Minus ins Depot gebracht. Trotz tiefergehender Prüfung meinerseits.

Ist das Schuld von fool.com? Ehrlich gesagt nein. Denn die Narren empfehlen mindestens 15 Aktien zu kaufen und langfristig zu halten. Womit wir aber bei der Systemfrage wären: warum nicht ETF mit 500 oder 1600 Aktien quer über Branchen und Länder diversifiziert? Ich habe nur bewiesen bekommen, dass ich kein Stockpicker mit König Midas Händchen bin. Things can go sour. Und der Wartungsaufwand ist hoch, den gerade bei Growth Aktien können sich Dinge anders entwickeln als geplant. InvenSense wird z.B. derzeit als Verkaufskandidat bei RuleBreakers empfohlen. Und das sollte auch nicht verschwiegen werden: es gibt auch Verkaufsempfehlungen. Das bedeutet, ich sollte auch konstant am Ball bleiben und nachsehen, was sich so im Depot getan hat. Es besteht Wartungsaufwand. Das ist bei einem ETF Depot anders.

Und damit stehe ich schon wieder vor Entscheidungen. Investiere ich alle der Tipps oder nur eine Firma oder treffe ich eine Auswahl? Wenn ich mich für letzteres entscheide – nach welchen Kriterien treffe ich meine Entscheidung? Dazu muss die Anlagesumme entsprechend hoch sein. Monatlich etwa 800 Euro zu sparen und in mehrere empfohlene Aktien zu stecken lohnt sich nicht. Alleine schon aufgrund der Broker-Gebühren. Da ist ein ETF Sparplan effektiver.

Positiv zu sagen ist, dass ich exakt das bekommen habe, was ich wollte. Nämlich Tipps für (hauptsächlich) US-Unternehmen, die potentiell Growth-Eigenschaften aufweisen.

Und fool.com liefert auch leider kein Value Investing nach Graham. Denn der Preis stimmt nicht und Firmen in Krisen werden nicht empfohlen. Das kann allerdings auch am derzeitigen Bullenmarkt liegen, in dem US-Aktien sehr teuer sind und es de facto kaum noch Schnäppchen gibt. Die meisten der empfohlenen Aktien haben bereits ein starkes Wachstum hinter sich und sind eher teuer. Geheimtipps sucht man hier vergeblich, sollte es so etwas überhaupt geben. Derzeit empfohlen werden unter anderem Align Technology, Bofl Holding, Workday, Under Armour.

Negativ zu erwähnen ist die Website selbst. Schon der Mitgliederbereich ist von der Navigation unübersichtlich. Und insbesondere die Community mit Foren sieht aus wie zuletzt 2001 geupdatet in Sachen Usability.

Das alte Dilemma: ich mache mir die ganze Arbeit, lese ständig Analysen und Einschätzungen – und stehe am Ende eventuell schlechter als der Vergleichs-Index da.

Was fool.com liefert ist ein Reden über Aktien. Ich bekomme ständig Stories und Interpretationen. Ich glaube aber inzwischen, ich sitze hier einer anderen Fehlerquelle auf, nämlich dem Wunsch nach Plausibilität. Ich möchte eine Geschichte hören, die Sinn ergibt. Nur ist das kein Garant für steigende Aktienkurse.

Positiv zu sagen bleibt: Motley Fool arbeitet seriös. Marketing für die eigenen Dienste ist zwar vorhanden, aber eher dezent und nicht marktschreierisch. Du bekommst das, wofür du bezahlst: Analysen zu Firmen. Und ich hatte nicht den Eindruck, dass hier wissentlich Aktien hochgejubelt werden sollen. Im Unterschied zu kostenlosen Infoportalen, wo ständig laute Schlagzeilen produziert werden.

Zielgruppe von Motley Fool sind Leute, die ihre Altersvorsorge via Aktiendepot betreiben, was in den USA mit 401k steuerlich gefördert wird. Entsprechend konservativ sind die empfohlenen Aktien: Blue Chips und Midcaps. Pennystocks mit Totalverlustgarantie sucht man hier vergeblich. Andererseits hat das auch wieder seine Nachteile: auch Aktien „off the grid“ sucht man vergeblich. Im „Rule Breakers“ Newsletter ist das Risiko aber auch höher, da hier viele Tech-Unternehmen empfohlen werden.

Fazit

Mein persönliches Fazit: ich würde die Mitgliedschaft nicht noch einmal abschließen. Wenn ich heute Einzelaktien kaufe, dann sind das spekulative Wetten auf Einzelunternehmen. Und für spekulative Anlagen mit kürzerem Zeithorizont von 3-24 Monaten ist technische Analyse das geeignete Werkzeug. Als Basis zum Stockpicking würde ich fool.com nicht empfehlen.

Trotzdem nochmal der Hinweis auf den Home Bias: Deutschland hat eine extreme Gravitation in Sachen Aktienmarkt. Dabei hat das Land gerade mal den verschwindend geringen Anteil von 2,82% der weltweiten Marktkapitalisierung https://www.bespokepremium.com/think-big-blog/us-quickly-losing-share-of-world-market-cap/
Ich würde empfehlen dorthin zu schauen, wo die Musik spielt – und das ist an der Wall Street.

Wie gesagt: das ist aber meine persönliche Einschätzung. An sich macht es Sinn, sich eine Site außerhalb von Deutschland zu suchen. Home Bias ist definitiv ein Thema, da egal wo man hinschaut einem sofort DAX ins Auge springt. Um sich dagegen zu immunisieren, hilft es gelegentlich auf fool.com zu schauen. Aber vielleicht genügt dafür auch der frei zugängliche Bereich.

Zum langfristigen Investieren halte ich ETF für das bessere Mittel.

Als Alternative zu einer fool.com Mitgliedschaft für den US-Markt sehe ich ETF Investments. Entweder auf den S&P500, einen anderen US-Index oder mehrere Indexe. Wenn ich US-Aktien möchte, nicht rebalancen und keine Aussagen darüber treffen mag welche Unternehmen gut abschneiden, dann bin ich mit Indexing besser aufgehoben.

 

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2 Kommentare zu „fool.com Mitgliedschaft – Top oder Flop?

  1. Moin Chris,

    vielen Dank für Deinen Bericht.

    Ich hatte mich auch einige Zeit bei Fool herum getrieben, bzw. bekam durch Finanzen100.de immer mal wieder diverse Premium-Angebote. Solche Sachen anzunehmen ist schon nicht verkehrt, bei mir hat es letzten Endes immer am Thema gehapert. Mir waren sie zu starr. Aber an sich ist gut zu wissen, dass man bekommt, was angeboten wird!

    Mittlerweile fühle ich mich beim Hari ganz gut aufgehoben und habe mein System für mich endlich gefunden, was ich auch durchziehe. Wenn man das einmal hat, ist alles ganz einfach. Zwischen Deinen Zeilen liest es sich, als wenn Du Dir über Deine Zeitebene noch nicht so ganz im klaren bist, kann das sein?

    Beste Grüße aus Hannover

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  2. Hi lubo! Danke für die Nachfrage. Für langfristige Anlagen bin ich mir im klaren, was ich möchte. Und zwar breit aufgestellte ETF, die ich nicht mehr wechsle. Ich hatte eine zeitlang überlegt, ob nicht Einzelaktien eine Alternative dafür sein könnten, daher auch die fool.com Mitgliedschaft, wo Aktien fundamental bewertet werden. Das sehe ich inzwischen anders und habe mich für ETF Anlagen entschieden.
    Anders sieht es bei kurzfristigen Investments aus. Dort suche ich Chancen. Nur ist dazu fool.com die falsche Adresse, da bleibe ich bei Hari. 🙂

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