Payback im Selbstversuch. Geld sparen oder Geld ausgeben?

Vor 2 Monaten habe ich einen Selbstversuch mit Payback gestartet. Lohnt es sich Punkte zu sammeln? Das wollte ich herausfinden. Zeit, um ein kleines Fazit zu ziehen.

Payback ist ein Anbieter von Bonuspunkten. Du bekommst eine Karte oder App, die du bei Einkäufen vorzeigst. Dafür werden dir für jeden Einkauf Bonuspunkte gutgeschrieben. Die Punkte verfallen nach 36 Monaten.

Die Punkte aufsummieren

Also meine Summe. Ich komme nach 2 Monaten auf 238 Punkte.  Ein Punkt entspricht ungefähr einem Euro Einkaufswert bei den meisten teilnehmenden Händlern. Ich bekam 150 Punkte Bonus für Anmeldung. 36 Punkte „10fach Punkte Coupon“. Es bleiben 52 Punkte, die ich durch Einkaufen erhalten habe.

Ausgegeben habe ich aber mehr als 52 Euro, da die Einkaufsumme nach unten abgerundet wird. Ich habe 7 kleine Einkäufe getätigt, und damit habe ich 3,20 Euro mehr ausgegeben.

Was fängt man jetzt mit den Punkten an? Ich habe mir den Prämienshop von Payback angesehen. Ich bekomme ich etwa für 999 Punkte eine batteriebetriebene LED Stirnlampe (Hersteller und Modell wird im Shop nicht angezeigt). Hmm. Ich habe keine 999 Punkte und besitze schon eine Stirnlampe. Also suche ich nach weiteren Produkten. Etwa eine Tchibo Kaffeemaschine für 200 Punkte. Aber die ist nur für 22,90 Euro Zuzahlung zu haben. Der Ladenpreis im regulären Handel liegt bei 49,90 Euro.

Wenn ich die 52 Punkte von 2 Monaten auf ein Jahr hochrechne, komme ich auf 312 Punkte. Selbst mit etwaigen Bonuspunkten ist das noch ziemlich weit weg von der Stirnlampe. Dafür müsste ich dann Einkäufe für 1000 Euro tätigen. Und eine Stirnlampe bekomme ich im Handel ab 7,95 Euro (plus Porto). Sollte ich je eine benötigen, denn ich brauche immer noch keine Stirnlampe. Oder eine Kaffeemaschine.

Das 1×1 der Verkaufspsychologie

Und – hoppla – da sind wir auch schon mitten in den Verwirrungen. Ich brauche gar keine Kaffeemaschine. Ich habe mir aber allen ernstes überlegt, ob ich nicht vielleicht doch eine benötige. Eigentlich war meine Idee Geld zu sparen. Jetzt bin ich aber auf einmal mitten dabei meine Konsumzone auszuweiten. Ich gehe online Shoppen und stöbere durch Angebote. Ich beschäftige mich mit Produkten. Vielleicht kann man ja doch etwas davon brauchen? Ich komme jedenfalls zu folgender Erkenntnis:

Bei Payback geht es nicht um Sparen, sondern darum Geld auszugeben.

Sparen bedeutet eigentlich der Verzicht auf Konsumausgaben. Damit heißt Sparen im strengen Sinn weniger Geld auszugeben. Sparen im Sinne von Payback heißt Rabatte auf Konsumausgaben zu erhalten. Und bei letzterer Definition greift die Formel: nur wer mehr Geld ausgibt, kann mehr sparen. Wir machen uns diesen Sachverhalt nur viel zu selten bewußt und verwischen in der Umgangssprache den Unterschied, was „Sparen“ bedeuten kann.

Stattdessen greift aber ein anderer Mechanismus: Mist, ich habe noch Punkte, die bald verfallen könnten! Schnell noch etwas einkaufen, um die Punkte einzulösen. Das sind bewährte Mittel aus dem Werkzeugkasten vor Verkaufspsychologie: Zeitlichen Druck erzeugen (den es nicht gibt). Jetzt, Handlungsbedarf, sofort.

Ein weiteres Verhaltensmuster kann auftreten: ich kaufe automatisch bei dem Anbieter, der mir Punkte gewährt. Und verzichte auf einen Preisvergleich. Vielleicht ist ja mein Lieblingsprodukt bei einem Mitbewerber günstiger zu haben? Nur hat dieser vielleicht kein Payback. Etwa die Drogeriekette DM (hat Payback) versus Rossmann (kein Payback). Ich selbst ertappe mich dabei, dass ich inzwischen automatisch zu DM gehe. Punkte sammeln und so.

Bei DM versus Rossmann würde ich jetzt behaupten, dass die Preise etwa ähnlich sein dürften. Anders sieht das aus, wenn ich etwa Rewe (Payback) mit Lidl (kein Payback) vergleiche.

Meine Daten verkaufen für Cent-Beträge

Das Sammeln von Punkten hat aber einen weiterenAspekt. Ich liefere an Payback und den Händler meine Einkaufsdaten. Payback fertigt ein Profil von mir an. Payback weiß wo ich einkaufe, in welcher Frequenz ich einkaufe. Payback kann anhand meiner Produkte ohne weiteres bestimmen wie meine Wohnsituation ist, ob ich krank bin, ob ich Wert auf meine Gesundheit lege, ob ich arbeitslos bin. Schon die Metadaten des Einkaufs genügen, um sehr weitreichende Aussagen treffen zu können.

Daten werden nicht nur gesammelt. Sondern durch das Punktesystem mit den bunten Comic-artigen Charakteren auch Anreize via Gamification geschaffen. Das Leben wird als Spiel gestaltet. Ich kaufe nicht ein, sondern sammle Punkte. Einkaufen soll Spaß machen. Ich habe genügend Phantasie um mir Einsatzfelder von Augmented Reality Anwendung beim Shoppen in Verbindung mit Bonussystemen vorzustellen. High Scores knacken und noch mehr Punkten!

Hier geht es um mehr als darum, Daten im Hintergrund zu sammeln. Mein Verhalten soll dezent in eine bestimmte Richtung bugsiert werden. Und das funktioniert ja auch ganz gut, da hier auf verschiedenen Ebenen Anreize geschaffen werden, die mich zum konsumieren ermuntern sollen.

An dem Punkt geht meine ökonomische Rechnung nicht auf. Oder vielleicht doch. Ich war zu Beginn bereit mich auf das Sammeln meiner Daten einzulassen. Nur ist mir jetzt der Preis zu niedrig, den ich dafür bekomme. Das sind Cent-Beträge. Und dafür gebe ich mich bzw. meine Daten lieber nicht her.

Fazit

Ich kann mir vorstellen, dass sich Payback für Leute lohnt, die Kinder haben und komplette Familieneinkäufe erledigen. Dabei kommen größere Summen zusammen. Und generell wird mit Kids mehr konsumiert und ich könnte dann Rabatte bei Mytoys.de oder ähnlichen Shops einlösen. Für Autofahrer wären Tankstellenrabatte sicher noch ein Argument.

Was du dir mitnehmen kannst, von diesem Artikel sind diese Fragen: Hast du mit Payback Geld gespart? Oder hast du Dinge gekauft, die du ansonsten nicht gekauft hättest?

Für mich selbst lohnt sich Payback nicht. Ich konsumiere schlicht zu wenig. Die meisten Einkäufe erledige ich bei Discountern. Und die sind nicht an das Payback System angeschlossen. Für mich ist das Sammeln daher eher ein schlechter Deal. Und ich werde aussteigen. Ich verzichte lieber auf die Rabatte und kaufe lieber wieder anonym ein. Und verzichte darauf, dass noch mehr Daten von mir gesammelt werden.

Lohnt sich Payback für dich? Was sind deine Erfahrungen? Welche Rabatte nutzt du ansonsten aus?

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7 Kommentare zu „Payback im Selbstversuch. Geld sparen oder Geld ausgeben?

  1. Schön beleuchtet, das Thema. Auch ich habe mich vor langer Zeit von Payback verabschiedet. Das lohnt einfach nicht. Viel zu viel Aufwand für die paar Cent. Und ehrlich gesagt, stehe ich auch nicht drauf, wenn man aus meinem Einkaufsverhalten ein Nutzerprofil erstellt. 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. Hey Chris,

    von Payback habe ich noch nie etwas gehört, aber ich kenne andere Bonus- und Kundenkarten. Deine Überlegungen gefallen mir, weil du sehr vieles beobachtet hast: Kaufverhalten (W-Fragen), Daten, Gamification, Steuerung der Emotionen..

    Bisher habe ich Abstand von solchen Karten gehalten. Mir ging es dabei immer vorrangig um die Kontrolle meiner Daten…was jetzt eh zum Teil durchs Bloggen und Facebook hinfällig ist. Die einzige Kundenkarte die ich jemals bewusst mitgenommen habe war von einer Bücherei. Aber das wars auch schon.

    Dein letztes Argument finde ich ok. Für Eltern kann sich sowas schon lohnen, weil im Monat viel Geld für das Kind draufgeht und eben auch dementsprechende Punkte gutgeschrieben werden.

    LG
    Johannes

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    1. Hello Johannes! Danke für den Hinweis mit Facebook. Das fiel mir auch hinterher auf: an Facebook und Google liefere ich meine Daten gratis, ohne Gegenleistung. Der Preis meiner Bequemlichkeit. Solange ich aber Gestaltungsspielraum habe, nutze ich ihn aus und verzichte auf das optionale Datensammeln durch Kundenkarten.

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  3. Man kann sich die Payback Punkte auch einfach auszahlen lassen. Ist etwas versteckt auf der Webseite (warum wohl… wegen den überteuerten „Prämien“…) und sie haben den Wert von 1 Cent pro Punkt. Bei dir wären das also stolze 2,38 Euro ;). Ansonsten gebe ich dir größtenteils recht – es lohnt sich nicht wirklich, auch bei Großeinkäufen nicht. Außer man nutzt gezielt Mehrfachpunktecoupons aus – dann könnte es sich für manche eher lohnen.

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    1. Besten Dank für den Hinweis! Die Funktion ist wirklich gut versteckt und ich habe sie jetzt endlich gefunden. Hier der Direktlink: https://www.payback.de/pb/bargeld

      Das ist immerhin schon fast 1x Bus fahren. Für die Rückfahrt muss ich mir dann zwar was überlegen, aber immerhin! Auf meinen Einkaufswert hochgerechnet ist das nicht so schlecht.

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  4. Payback macht nur SInn, wenn man sich die Mühe macht es mit den entsprechenden Payback-Coupons (z.B. 10x-fach Punkte bei Rewe) zu kombinieren. Meine Frau kauft zB viel lieber bei dm als bei Rossmann ein (weil die dm-Windeln besser seien etc.). Die immer massenhaft vorhandenen 10%-auf-alles-Gutscheine von Rossmann zahlt dm seit letzem Jahr aber nur noch als payback-Guthaben aus.
    Und zum Thema was fängt man mit den Punkten an: Mann lässt sie sich als Bargeld bzw. Einkaufsgutschein in jedem Rewe oder dm auszahlen. Bei uns kommen da schätzungsweise um die 150€ im Jahr zusammen.

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    1. Hallo Daniel. Danke für den Bericht! Ich hatte schon fast vermutet, dass Payback nur dann Sinn macht, wenn man diese „Multi Punkt“ Gutscheine nutzt. Und dann noch entsprechend viel Einkäufe hat als Familie. Dann kann man wirklich Vorteile aus dem System ziehen. 150 Euro im Jahr sind schon eine ordentliche Summe!

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