Und wie bereitest du dich auf die Apokalypse vor?

Der alte Traum: ich werde reich! Sorgenfrei leben! Irgendwie wissen wir alle, dass das nicht so einfach ist. Und dass die eigenen Ängste auch mit höherem Kontostand weiterlaufen. Mich interessiert daher, was reiche Leute denken. Da ich dahinter gekommen bin, dass es mit dem reich werden nicht getan ist. Auch danach geht es weiter. Erstmal um Geld: Du könntest von einer halben Millionen Euro Kapital leben. Aber besser wäre doch eine Millionen. Oder anderthalb, aber sagen wir besser zwei, nur um sicher zu sein. Dahinter steckt Angst oder besser: Ängste. Und die verschwinden nicht mit mehr Geld auf dem Konto. Du bist immer noch du.

Irgendwann kann sich die Angst nicht mehr am Besitz festhalten. Dann geht es weiter zum nächsten Objekt. Was einige Super-Reiche fürchten, hat Evan Osnos im New Yorker gerade in einer großartigen Reportage dargelegt: nämlich die Apokalypse. Hier zum Artikel Doomsday Prep for the Super-Rich.
Ich ernte im Bekanntenkreis immer fragende Blicke, wenn ich von „Preppern“ spreche. Na, diese Leute, die sich auf die Apokalypse vorbereiten. So wie in „The Walking Dead“. Nur ohne Zombies.

In Deutschland ist die Szene vermutlich kleiner und eher um einen gewissen Buchverlag mit Eva Herrman-Affinität angesiedelt. In den USA beschäftigen sich damit dagegen nicht nur Militias irgendwo im Hinterland sondern auch die Tech-Eliten aus New York und San Francisco. Der Artikel beschreibt Luxus-Condos in Bunkern in Kansas. Und Farmen mit Hubschrauber-Landeplätzen und eigenen Startbahnen in Neuseeland (nur 13 Stunden Flugzeit von Kalifornien aus).

Interessant ist dabei die Form der Angst: die einen hatten vor Obama Angst, die anderen haben jetzt Angst vor Trump. Und immer wieder kommt die Idee auf: ich bringe mich und meine Familie in Sicherheit. Am besten mit einem Flugzeug. Aber was passiert mit dem Piloten? Und dessen Familie?

Der klügste Einwurf in der ganzen Diskussion lautet an der Stelle, dass diese egoistische Idee von „ich bringe mich selbst in Sicherheit“ eine moralische Fehlkalkulation ist. Und man gegen diese „nur mich und meine Familie“ Logik argumentiert. Ich selbst habe die besten Überlebenschancen, wenn es allen anderen gut geht. Und dafür kann ich heute die Basis schaffen und Geld an Obdachlosenunterkünfte spenden.

Und eigentlich merkt man, dass diese Apokalypse weniger über die Zukunft, als über das hier und jetzt und den Zustand einer Gesellschaft aussagt. Es wirft kein gutes Licht auf die Gesellschaft, wenn die Eliten schon insgeheim auf die Rettungsboote schielen und sich dort einen Platz sichern (wie etwa Peter Thiel in Neuseeland (nytimes.com).

Menschen kooperieren. Das übersehen die Prepper und ich glaube eher, dass mit dem Motto „meinen Hintern in Sicherheit bringen“ eine selbsterfüllende Prophezeihung geschaffen wird, sollte es wirklich mal krachen. Und es dann wildgewordene Prepper hat, die glauben, sie müssten mit ihren Waffen herumfuchteln. Ich weiß jedenfalls, woran ich mich beteiligen werde: nach der ersten Hilfe, am großen Reboot mitarbeiten: Krankenhäuser und Feuerwehr unterstützen, Müllabfuhr und Wasserversorgung herstellen, Lebensmittelanbau wieder starten. Spätestens wenn man Chemo braucht funktioniert die Sache mit der Autarkie nämlich nicht mehr.

Ich selbst habe für mich jedenfalls die Konsequenz gezogen: meine Risikoabsicherung lautet, dass ich mich seit ein paar Jahren in regelmässigen Abständen für Wochen und Monate in Zen Klöstern einquartiere. Irgendjemand muss ja daran mitwirken, dass es im Leben nicht nur um Hauen und Stechen geht.

Bildmaterial: Florian -flickr

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3 Kommentare zu „Und wie bereitest du dich auf die Apokalypse vor?

  1. Schöner Artikel der zum Nachdenken anregt!
    Wie sagt man doch so schön: „nur gemeinsam sind wir stark“ – dass gilt gerade während oder nach einer Apokalypse. Wer hierzu noch einen passenden Roman bzw. eine Serie sucht, sollte sich mal die Out of the Ashes Serie von W. Johnstone (und hier insbesondere die ersten 5 / 10 Bücher) anschauen.

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  2. Mit diesem Artikel hast du recht. Die Angst der Reichen geht von einer Versagens-Angst (nicht erreichen der Ziele) in eine Verlust-Angst über. Jeder will seinen Wohlstand und seinen Status schützen.
    Das mit dem Kloster ist eine entspannte und weise Entscheidung!

    Gefällt 1 Person

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