Was man so macht, wenn man nichts macht

Letztens rief mich ein alter Freund an und wollte wissen, was ich jetzt so tun würde.
Er: „Und, was machst du jetzt so den ganzen Tag?“.
Ich: „Äh. Ja. Nun. Also. Tja! Gar nicht so einfach zu beantworten.“

Ich mache derzeit nichts. Zumindest nach den üblichen Vorstellungen. Festanstellung? Im September war mein letzter Arbeitstag, ich hatte im Sommer gekündigt. Also nein. Eigene Firma und Selbstständigkeit? Nein, auch das gerade auch nicht.

Wir kommen der Sache näher: ich tue nichts, was mit Erwerbsarbeit zu tun hat. Im letzten Jahr hatte ich noch bis Dezember in den USA gelebt. Jetzt bin ich kurz in Deutschland um dann für ein weiteres Jahr auf Weltreise unterwegs zu sein bis Mitte 2018.

Der Zeitraum jetzt ist zu kurz, um mir einen Job zu besorgen. Und es wäre mir auch zu stressig, da ich in der Weltreise-Planungs-Phase bin. Und ich bin nicht darauf angewiesen, da ich finanziell unabhängig bin. Nur ist das den wenigsten Leuten zu vermitteln. Mein Onkel rief letztens an und meinte „Besorg dir doch noch einen 450 Euro Job für die Übergangszeit“.
Okay – aber warum sollte ich das wollen? Es besteht keine Notwendigkeit dafür. Und ich bewerte meine Zeitautonomie höher als eine Zeitverpflichtung mit einem Stundenlohn von 8-15 Euro. Würde ich derzeit wirklich Geld verdienen wollen, dann würde ich wieder als Softwareentwickler arbeiten. Aber stopp, ich arbeite derzeit nichts und habe es auch nicht vor. Es geht auch nicht nur um die Moneten, sondern Identität. Ich habe meine berufliche Karriere und damit einen Teil meiner Identität vorläufig eingemottet. Softwarentwickler a.D. Ob ich danach damit überhaupt weitermache, oder mich selbst neu erfinde, weiß ich jetzt noch nicht.

Würde ich den ganzen Tag im Kaffeehaus sitzen (und damit pro Kaffee um 150.000 Euro ärmer werden, wenn man den Milchkaffeerechnungen anderer Blogs glauben schenken mag) wäre es für mich auch okay.
Aber ich bin nicht so der Genusstyp um ehrlich zu sein, der sich den ganzen Tag an gepflegtem Nichtstun labt (wobei ich diesen Müßiggang zu kultivieren versuche, was mir gar nicht so leicht fällt). Ich feile derzeit lieber sehr viele Stunden pro Tag an Aktieninvestments. Das betreibe ich quasi semiprofessionell seit letztem Sommer. Nur entzieht sich diese Tätigkeit dem Konzept von Arbeitszeit mit Stundenlohn. Aber irgendwann dämmerte mir die Einsicht: es geht hier um mehr Geld, als ich mit Erwerbsarbeit erreichen kann. Daher lohnt sich auch der Aufwand.

Abgesehen davon ist mein Leben ist derzeit ziemlich unprätentiös. Das war früher mal anders. Technoparties in Berlin Mitte veranstalten, daneben noch ein Label betreiben und in Orten wie Tel Aviv, London und Moskau auf Raves auflegen. Ganz genau: Bäm! Aber das alles ist gefühlt und real ein halbes Leben her und diese Zeiten sind vorbei (vorläufig zumindest, man weiß ja nie).

Derzeit bin ich Privatier. Und übe Tätigkeiten aus, die als Hobbies fungieren. Ich lerne seit 2 Jahren besser zu fotografieren. Dafür habe ich jetzt endlich Zeit und habe mir dazu ein paar Bücher geholt. Ich mache jeden Tag Yoga und meditiere, dazu kommt Cardiotraining. Eine 10er Karte für das Yogastudio gegenüber habe ich auch. Ich habe angefangen japanisch zu kochen nach Rezeptbuch, nachdem ich mit meiner Freundin in der Oishii! Ausstellung im Linden-Museum in Stuttgart war, wo es um japanische Esskultur ging. Ich habe endlich Zeit die Westworld-Podcasts nachzuhören, nachdem ich den 2. Durchlauf der ersten Season hinter mir habe. Und den Weihnachtsliteraturgeschenkstapel der letzten 2 Jahre tatkräftig durchzulesen. Und gelegentlich noch Spanisch und Mandarin lernen. Und ab und zu noch in Ableton Live Synthesizer Patches erstellen.

Nichtsdestotrotz: das gerade ist eine Zwischenzeit und dieser Modus ist maximal für ein paar Monate okay. Mein Leben dreht sich um Lernen, Aufbauen, Dinge erledigen. Und das meistens im Zuge eines Missionsziels. Derzeit ist mein nächstes Ziel aber erstmal Kuba. Ein Schritt nach dem anderen.

Verwendetes Bildmaterial: Igor Ovsyannykov http://fancycrave.com/about/

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