Meine Jahresausgaben 2016

Irgendwann auf dem Weg zur finanziellen Mündigkeit entdeckt jeder, dass die eigenen Ausgaben wichtig sind. Von dieser bloßen Erkenntnis des Geistes ist es aber noch ein längerer Weg zum praktischen Handeln.

Vielleicht bin aber auch nur ich etwas schwerfällig. Denn bei mir hat es etwas länger gedauert, bis ich mich um die Ausgabenseite gekümmert habe. In meinem bisherigen Leben bin ich mit „das passt schon irgendwie“ zurecht gekommen. Das funktioniert auch, wenn man über ein regelmässiges Einkommen aus Erwerbsarbeit oder einem Gewerbe verfügt. Jeden Monat kommt Geld auf das Konto, das dann auch ausgegeben werden will. Schließlich muss man sich ja einen angenehmen Ausgleich für das harte Schuften gönnen. Oder man hat Ideen von Klasse, Schicht, Status oder Milieu und möchte sich in eben diesen per passendem Konsumstil verorten.

Das war bei mir zumindest so. Ich hatte das Jahr 2016 alles andere als frugal begonnen. Das Gehalt im neuen Job nach Auslandsaufenthalt lag über dem Durchschnittseinkommen in Baden-Württemberg und führte dazu, dass ich eine teurere Wohnung mietete. Dazu kamen Anschaffungen wie Möbel und Elektrogeräte. Und mit den Kollegen der neuen Firma ging ich zu Beginn jeden Mittag auswärts essen.

Irgendwann dämmerte mir dann die Erkenntnis, dass das ausgegebene Geld ein für allemal weg ist. Und auch nicht zurück kommt. Daraufhin zeichnete ich dieses Jahr meine monatlichen Ausgaben per Spreadsheet auf. Und die Summe, die ich jetzt am Ende 2016 erhalten habe lautet 16.000 Euro. Oder 1333 Euro pro Monat.

Und wenn ich hier eine unangenehme Wahrheit aussprechen darf: das ist deutlich mehr als ich angenommen hatte. Ein Bekannter hatte letztens den Satz geäußert, er könne locker von 1000 Euro im Monat leben. Das dachte ich bislang auch – stellt sich aber nach diesen Zahlen als Selbsttäuschung heraus. Man hat immer Vorstellungen davon, was man tut. Und dann gibt es das, was man wirklich tut.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass die Zahlen so zum Teil keinen Sinn ergeben. Ich hatte z.B. bereits im Dezember 2015 Ausgaben für Möbel, diese tauchen in der Summe 2016 nicht auf. Dazu kaufe ich Möbel ja nicht jedes Jahr, hier müßte ich ja von einem abschreibungsfähigen Wirtschaftsgut ausgehen und die Summe auf mehrere Jahre verteilen. Und ich hatte nach Auszug aus der Wohnung die meisten Möbel wieder verkauft, was in meinen Einnahmen, aber nicht meinen Ausgaben auftaucht. Eigentlich – der Gedanke ist noch nicht ganz fertig – müsste man so etwas wie einen Abnutzungswert für Möbel berechnen, wie etwa beim Wertverlust von Autos.

Auf der positiven Seite: ich habe jetzt Zahlen, mit denen ich arbeiten kann. Die größten Einsparpotentiale habe ich schon in diesem Artikel beschrieben: die Miete. Ich habe dadurch monatlich 250 Euro weniger an Kosten. Selbst hier bin ich noch nicht am unteren Rand der Einsparmöglichkeiten. „Sparen bis es quietscht“ (Klaus Wowereit) geht anders.

Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, auf irgendetwas zu verzichten. Oder Kompromiße einzugehen, die unangenehm sind. Den Sparsam-Limbo könnte ich noch etwas tiefer tanzen. Das war erstmal die erste Runde. Aber ohne die systematische Auswertung meiner Ausgaben hätte ich diesen Schritt nicht geschafft. Ich überprüfe damit jede Kaufentscheidung nochmals im Nachhinein. Und es fällt mir damit vor jedem Kauf leichter, mich an das höhere Ziel zu erinnern: nämlich das Tabellenfeld mit der Summe der Jahresausgaben. Und der Aufwand zur Datenpflege ist nicht hoch: ich summiere einmal im Monat meine Ausgaben anhand der Kontoauszüge. Und das ist im Handumdrehen erledigt.

Und vor allem werden die Ausgaben immens wichtig, wenn man im Zuge der finanziellen Unabhängigkeit über keine festen Einnahmen mehr verfügt. Die Finanzplanung funktioniert dann wirklich anders, da Aktien eben nicht einen monatlichen Fixbetrag an Geld abwerfen. Und ich auch nicht weiß, wie sich der Aktienmarkt im nächsten Jahr entwickeln wird. Das liegt außerhalb von meinem Einfluß. Was ich dagegen weiß und womit ich arbeiten kann ist, wie viel Geld ich im vergangenen Jahr ausgegeben habe. Letzteres gehört zu meinem Prozess. Und dazu ein schönes Zitat von James Montier:

„Process is the one aspect of investing that we can control. Yet all too often we focus on outcomes rather than process. Yet ironically, the best way of getting good outcomes is to follow a sound process.“

https://25iq.com/2013/09/22/a-dozen-things-ive-learned-from-james-montier-about-investing/

Und genau darum geht es ja mit dem Tracken der eigenen Ausgaben. Ich mache die Grundlagen meines Handelns nachvollziehbar.

Sparsamer leben ist also machbar. Man kann etwas dafür tun.

3 Kommentare zu „Meine Jahresausgaben 2016

  1. Hey, an sich finde ich 16.000€ Ausgaben im Jahr „okay“. Dieses Jahr hatte ich leider auch rund 100€ mehr als letztes Jahr, aber ich habe mir einen neuen Laptop gekauft und war öfter essen und im Kino. Aber wenn du für BaWü-Verhältnisse gut verdienst, hattest du vermutlich trotzdem eine gute Sparquote, oder? Die „lockeren“ 1000€ deines Kollegen hängen sehr an den Wohnkosten. 700€ für eine Wohnung wären in der Stuttgart Region noch günstig, wobei ich wie du wohl dann auch in eine WG ausweichen würde.

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  2. Hey! Meine Sparquote war eher gering, da ich nur 10 Monate gearbeitet hatte in dem Jahr und mich dann in die finanzielle Unabhängigkeit und in die USA verabschiedet hatte. Mein Plus in dem Jahr belief sich auf 4000 Eur und seitdem produziere ich nur noch Minus! 🙂 Der Lohnsteuerjahresausgleich dürfte das Plus hoffentlich noch ein bißchen erweitern. Der besagte Bekannte hat sich übrigens eine Eigentumswohnung in der Nähe von Paderborn für 25.000 Eur gekauft. Da er oft längere Perioden nicht in Deutschland lebt und er aus der Gegend dort kommt, war das für ihn sicher eine ganz gute Entscheidung.

    Bei mir gibt es in dem Sinn kein Fazit. Das letzte Jahr wird sich so nie wieder abspielen. Und war so auch nicht geplant, denn ich wollte ursprünglich 2-3 Jahre in Karlsruhe bleiben. Aber wie das so ist mit den Plänen: das Leben kommt dazwischen.

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  3. Klingt so, als würde sich das Jahr 2016 nicht noch mal in der Form wiederholen. Also: Neues Jahr, neues Glück!
    Ich werde mich damit abfinden, dass meine Ausgaben weiter steigen werden, da meine Reiseziele immer teurer die nächsten Jahre werden. Kann nicht jeder für 25.000€ eine Wohnung in Paderborn kaufen. Das könnte selbst ich von meinem Ersparten machen. Bei dem Gedanken „Ich könnte mir von meinem Ersparten eine Eigentumswohnung kaufen“ fühle ich mich doch glatt reich.

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