Kurze Aktienreflexion Ende November

Ich hatte die Deutsche Bank Investition als Langfristwette angelegt. Ich selbst hätte mir im August nicht träumen lassen, dass 2 Monate später auf einmal die Aktien von Banken gefragt sein könnten. Und mir die Wette – derzeit zumindest – ein kräftiges Plus beschert hat (derzeit +23,40%). Im Unterschied zu meiner letzten Einschätzung, wo es noch pechschwarz aussah. Es bestätigt sich nur wieder die Weisheit aus dem Fundus der Buffet-Prophetologie: Schnäppchen lassen sich nur machen, wenn Firmen auf dem Seziertisch liegen.

Die meisten journalistischen Artikel über die Krise der Deutschen Bank waren nicht die Bits und Bytes wert, in denen sie gespeichert wurden. Alle wollten irgendwas gewußt haben und wollten ihre Gewissheiten bestätigt sehen. Ich habe zwar mit dem Lesen der Artikel viel Zeit sinnlos vergeudet, aber der Erkenntnisgewinn ist gering. Wobei. Ich kann klar sagen, dass der Finanz- und Wirtschaftsteil der FAZ lesbar ist. Gleiches gilt für die NZZ. Völlig papierkorbtaugliches Material in Sachen wirtschaftsthemen sind dagegen SPON, Zeit, Süddeutsche und Handelsblatt. Die dortigen Artikel sind Meinung, die ausschließlich das wiedergeben, was die Leserschaft an Meinung bestätigt haben möchte. Aber generell: die Pseudo-Informiertheit nützt nichts, wenn man investiert ist. Und ich kann daraus nur folgende Regel ableiten:

Wenn du Langfristwetten abgeschlossen hast, blende alle kurzfristigen Informationen aus.

Denn es ist der irrationale Wunsch nach Wissen, der einen treibt. Es ist Phantasievorstellung, es gäbe da draußen noch irgendeinen Fakt, den man übersehen hat. Und der alles ändert. Nur ist das Unsinn: wenn etwas in der Zeitung steht, dann ist es zu spät. Dann ist der Kurs schon längst gefallen oder gestiegen. Gerade in Zeiten des Hochfrequenzhandel. Und ich weiß, dass institutionelle Anleger ein Heer von Analysten und Industrieinsidern beschäftigen, um so früh wie möglich an relevante Informationen zu gelangen. Privatanleger können diesen Wettlauf nicht gewinnen. Und müssen ihn auch gar nicht gewinnen, wenn sie langfristig orientiertes Buy & Hold betreiben. Wenn es Sicherungsseile gibt, dann ist es nicht das Lesen von Artikeln, sondern Stop-Loss-Orders.

Generell stelle ich mir die Frage, wie ich zu Aktien stehe. Und ob ich mir einfach nixht eingestehen kann, dass Nichts zu tun vielleicht die bessere Wahl wäre. Einfach nur passiv in meine ETF investieren. Aber wenn ich ehrlich zu mir selbst bin: ich suche immer noch. Nach irgendeinem Weg für aktives Investieren. Ich habe ihn noch nicht gefunden, auch nach zig Büchern und mehreren Jahren am Markt. Und die bisherigen Erfahrungen sind durchwachsen. Ich habe mit meinen Investments in Einzelaktien Plus gemacht. Aber ob das pures Glück ist kann ich nicht beantworten. Die Wahrscheinlichkeit Gewinn zu machen ist jedenfalls deutlich höher als beim Lottospielen. Trotzdem hallt dieser Satz nach, den ich vor Jahren gelesen habe:

„Most people have no business in investing in individual stocks on their own.“

Joel Greenblatt – The little book that still beats the market

Ich bin im Unterschied zu Joel Greenblatt niemandem Rechenschaft schuldig. Ich kann als privater Investor machen, was ich für richtig halte. Aber was genau richtig ist, darüber kann man sich länger Gedanken machen. Verkaufe ich vor 2009 gekaufte Aktienaltbestände, oder behalte ich diese aufgrund des Steuervorteils lieber? Solche Fragen lassen sich weder mit Argumenten noch mit mathematischen Modellen endgültig entscheiden.

Und wenn es eine Erkenntnis gibt, dann die, die moralisierende Idee von richtig und falsch loszulassen. Es führen viele Wege den Berg hoch und kein Weg ist gleich. Siehe etwa die Interviews in den Jack D. Schwager Büchern. Die dort interviewten Trader haben kaum etwas gemeinsam, weder von ihrer Ausbildung, ihrer Weltsicht oder ihrer Methode. Und wenn mein Stadium „ich suche noch“ ist, dann ist es eben so. Auch wenn dieses Stadium noch die nächsten 10 Jahre anhält. Es bewahrt mich zumindest davor durch Selbstüberschätzung mein bisher erwirtschaftetes Kapital zu verzocken. Und wir alle kennen Regel Nummer 1: Don’t lose money.

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