Trump in der Kristallkugel

Würde jemand behaupten, er hätte ein Modell entwickelt um Börsenkurse vorherzusagen, würde man dies als Spinnerei abgetan. Völlig aberwitzig. Bei Wahlergebnissen ist die Vorhersage der Zukunft dagegen akzeptiert. Obwohl sie eigentlich ständig beweist, dass sie nicht funktioniert. 2016 ganz besonders mit Brexit-Votum und US-Wahl.

Auf die Idee kommen, dass die ganze Sache kompletter Unsinn sein könnte, will aber niemand. Nein! Wir müssen nur die Modelle verbessern! Mehr Daten! Bessere Datenqualität! Denn hinterher wollen alle wissen, warum es nicht geklappt hat. Einen Tag nach der US-Wahl hat Spiegel Online schon die Antwort parat: na klar, die Demoskopen mal wieder! Dabei hat doch Spiegel Online ständig Umfrageergebnisse abgedruckt.

Und auch John Cassidy hat im New Yorker ein Analyse mit Zahlen aufgeschlüsselt danach, welche Gruppen angeblich gewählt haben: http://www.newyorker.com/news/john-cassidy/how-donald-trump-became-president-elect

Jetzt will man mit neuen Zahlen belegen, warum die alten Zahlen falsch waren. Warum sollen diese Daten eigentlich auf einmal korrekt sein? Soweit ich weiß sind auch in den USA Wahlen geheim. Entweder hat man weitere Umfragen durchgeführt oder anhand der Wahlergebnisse nach Wahllokalen soziodemographische Rückschlüsse gezogen.

Scheinbar will man diesen Unfug mit Statistiken auch nicht stoppen. Es hat sich bei medialer Berichterstattung eingebürgert, dass immer irgendeine Statistik aufgeführt werden muss. Dabei steht in keiner Verfassung, dass eine einmal gewählte Regierung permanente Rückmeldung erhalten muss via Umfragen. Insbesondere wenn diese sich gemeinhin als völlig falsch herausstellen.

It’s the same with markets and the same with politics. Just because software has enabled us to do more in-depth analysis and statistical modeling, that doesn’t mean it will produce useful conclusions. People can’t be accurately modeled.

http://thereformedbroker.com/2016/11/09/off-the-lows/

Vor allem ändern Umfragen nichts an der Tatsache, dass Trump von einer Mehrheit der Bevölkerung gewählt wurde. Und dass diese ihn trotz der Negativpresse gewählt hat. Da konnte man ihn noch so sehr als Sexisten, Rassisten und US-Mussolini charakterisieren – völlig wurscht. Das hat im Vorfeld schon der Linkspopulist Michael Moore erkannt: an Trump prallt jegliche Kritik ab. Und Michael Moore hatte bereits vor der Wahl mit ein bißchen common sense, Grundschul-Stochastik sowie dem Temperaturfühler in der Volksstimmung ganz klar die Diagnose „Wutbürger“ erstellt: http://michaelmoore.com/trumpwillwin/. Ganz ohne große Studien – einfach nur Heuristik.

Als Aktionär bin ich erfreut: es gab keinen Trump-Crash an der Börse und im Gegenteil – mein Portfolio erreicht gerade neue Höchststände. Dass ein Multimilliardär auf einmal wirtschaftsfeindliche Politik macht, wäre auch nicht zu erwarten gewesen. Dodd-Frank wird jetzt schon in Frage gestellt genauso wie die Personalie Janet Yellen. Siehe auch
http://www.mr-market.de/trump-und-die-boersenreaktion/

Als politisch denkender Mensch freue ich mich dagegen überhaupt nicht. Ich fühle mit den Menschen, die unter seiner Politik leiden werden.

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