Das Fitbit Fiasko (zumindest vorläufig)

Ich liebe es über Mißerfolge zu schreiben. Dabei sind diese relativ. Die Apple Aktie hatte gerade auch den Weg nach unten mitgemacht – auch da habe ich zweistellige Prozentzahlen verloren. Was mich aber scheinbar wenig interessiert, da ich immer nur über +500% gegenüber dem Einstandswert liege.

Eine Aktie, in die ich dieses Jahr eingestiegen bin, hat dagegen gerade eine beachtliche Talfahrt hingelegt: Fitbit. Es wurde dazu viel geschrieben und ich hatte etliche Analysen auf http://www.fool.com/quote/nyse/fitbit/fit und seekingalpha.com dazu gelesen. Mehr als minus 30 Prozent, nachdem die Quartalsergebnisse Q3 verkündet wurden. Und nebenher bemerkt wurde, dass das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr ausfällt:

„Sales in the fourth quarter are now expected to be in the range of $725 million to $750 million, significantly below the consensus estimate of $983.3 million that the Street was modeling for.“
http://www.fool.com/investing/2016/11/03/breaking-down-fitbit-incs-awful-guidance.aspx

Als ich im Sommer eingestiegen bin hatte ich selbst eine kleine Analyse zu Wearables gestartet und Fitbit schien unterbewertet und mit Chancen. Aktuell sieht es eher düster aus. Aber auch das muss nichts heißen. Kann aber.

Im schlechten Fall ist Fitbit nämlich nicht Marktführer sondern nur ein Player in einem sich kannibalisierenden Markt. Selbst Apple kommt nicht so recht vorwärts mit der Apple Watch. Und hat auch entdeckt, dass der einzig sinnvolle Einsatz für Armbändern Gesundheits-Applikationen sind. Der Preisdruck nach unten ist stark, Apple ist im oberen Bereich und Fitbit im mittleren Segment angesiedelt. Und richtig viel können die Armbänder von Fitbit (aber auch anderen Herstellern) noch nicht. Die Displays wirken wie Retro-Casio-Uhren. Die Batterielaufzeit wird dauerhaft ein ungelöstes Problem bleiben, da es in der Batterietechnologie nur sehr langsame Fortschritte gibt. Ob Konsumenten dauerhaft Fitness-Armbänder nutzen oder diese ein paar Wochen nach Weihnachten ungenutzt herumliegen, ist eine weitere Frage:

“About 40% of wearers stop using trackers within six months… He suggests competition among friends, workplace incentives such as working toward a goal, such as a charitable donation tied to fitness, and sharing your results on social media may encourage people to keep using their fitness apps.”
http://www.marketwatch.com/story/are-fitness-trackers-a-fad-2016-01-26

Vielleicht sind Fitness-Armbänder auch ein Trendprodukt und die Google Glasses. I don’t know that, ich halte es aber für eher unwahrscheinlich, aber auch nicht ganz ausgeschloßen. Jedenfalls werden sie nicht das neue Smartphone werden als das eine Killer-Produkt.

All das wirkt erstmal nicht besonders vielversprechend. Warum ich dennoch investiert bleibe, und das ist das positive Szenario: Es geht nicht um die Armbänder. Diese sind bloße Hardware und nicht der Punkt. Es wird in dem Bereich langfristig um personalisiertes Gesundheitscoaching gehen. Und nicht um billigen Elektroschrott für’s Handgelenk.

Der Anbieter sammelt die Daten aller Nutzer und wertet diese aus. Ja, das passiert. Ich selbst spare an der Stelle die Diskussion aus, ob dies moralisch zweifelhaft ist oder nicht. Dazu sammeln User ihre eigenen Daten. Sobald ich als User in einem Ökosystem bin, wird der Wechsel schwer. Der Datenexport bei Fitbit per CSV ist zwar möglich, ich bezweifle aber, dass dies oft angewendet wird. Dazu kommt die soziale Komponente: ich wechsle den Anbieter und verliere dadurch auch meine social media Funktionen. Fitbit hat bereits sehr gute Apps. Und m.E. auch eine Ahnung, wohin die Reise geht mit Fitnesstracking.

Ich war mir selbst bei Einstieg diesen Sommer bewußt, dass es sich um ein Technologieunternehmen handelt, dass unter Growth fällt. Unternehmerische Kennzahlen sind damit bedingt bis gar nicht aussagekräftig.

Es kann gut sein, dass die Firma in 2-3 Jahren insolvent ist. Es kann ebenso sein, dass sich die Dinge wie im positiven Szenario beschrieben entwickeln. Jedoch garantiert nicht im nächsten Jahr. Entweder eine Firma wächst durch ihre Krisen, oder sie geht an ihnen zugrunde.

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