Der falsche Verkaufszeitpunkt, autsch

Wie man es macht, macht man es verkehrt. Ich wollte das Ungleichgewicht aus meinem Portfolio beseitigen und trennte mich nach monatelangem Überlegen von einer großen Position BASF Aktien. Diese Aktie dümpelte vor sich her mit eher launischen Analystenratings. Kaum war der Verkauf erledigt bei einem Kurs von 72 Eur, gilt BASF in einem trüben DAX als der heiße Tipp der Saison. Das Mr. Market Blog bejubelt die Aktie. Diese setzt trotz Gewinnwarnung zum Höhenflug an, Stand am 14.10.2016 ist 79 Eur. Als ein Grund wird der steigende Ölpreis genannt.

Und ich ärgere mich aufgrund des entgangenen Gewinns. Obwohl ich einen Gewinn realisiert habe. Aber ich hätte einen viel höheren Gewinn realisieren können binnen 3 Wochen. Und ich stelle mir die Frage: hätte ich es wissen können? Wäre der Fehler vermeidbar gewesen? Oder hätte ich dazu schon eine Kristallkugel besitzen müssen, um die Zukunft vorherzusehen? Vielleicht hätte Kristallkugel light aka Technische Analyse geholfen. Wer weiß. Ich glaube eher, dass ich es einfach nicht hätte wissen können. Rückwirkendes Denken mit dem Klassiker „hätte ich mich in der Vergangenheit nur anders entschieden“. Es geht an der Stelle darum alles was mich hier bewegt bewußt zu benennen: Emotionen wie Ärger und Reue und das Grübeln über die getroffene Entscheidung. All das ist wichtig, da ich in meinem Prozess keine Entscheidungsgewalt über den unwägbaren Markt besitze, sondern nur über mich selbst.

Dazu kommt, dass ich die Entscheidung aus einem wichtigen Grund traf: ich will mein Portfolio umschichten. Und die Gewinne aus dem Verkauf habe ich direkt als Weltportfolio angelegt: MSCI World und MSCI EM. Und das war als Versicherung gedacht gegen dauerhafte Underperformance. Nur erfahre ich an dieser Stelle die Kehrseite vom Indexing: ich eliminiere nicht nur das Risiko, ich nehme mir auch gleichzeitig die Chance besser als der Index abzuschneiden. Einmal mehr bewahrheitet sich die Börsenregel: Versicherungen kosten Geld. Und das Weltportfolio bzw. Index-Investing ist eine Versicherung gegen die Risiken von Einzelaktien. Ich glaube aber nach wie vor daran, dass ETF auf lange Haltedauer die beste Anlageform sind. Keine Aktie kennt nur die Richtung „nur nach oben“. Und auch BASF wird wieder nach unten kommen, wenn man sich den bisherigen, eher stark volatilen Verlauf ansieht.

Es geht hier um Zufall. Zufällig besitze ich gerade die Aktie, die aktuell besser abschneidet als der Marktdurchschnitt. Ich hätte im Vorfeld jedenfalls nicht darauf gewettet, dass dieser Höhenflug so stattfinden würde. Und je länger ich an der Börse investiert bin, desto zufälliger erscheint mir das Kursgeschehen. Adidas etwawar vor ein paar Jahren Schlußlicht im DAX. Dieses Jahr ist es die Gewinneraktie. Auch darauf hätte ich nicht getippt.

Was ich aus dieser Episode mitgenommen habe: man wird Fehler machen beim aktiven Handeln an der Börse. Diese sind schmerzhaft. Aber auch unausweichlich. Anders wird es keinen Lernprozess geben. Was ich davor schon wußte: aktives Handeln hat das Potential, dass man ziemlich viel Geld verliert. Market Timing ist eine Kunst für sich. Allerdings glaube ich nicht, dass es komplett sinnlos ist. Und dass es schlechtere und bessere Zeitpunkte für den Kauf und Verkauf gibt. Nur muss man sehr viel Zeit investieren, um hier zu Erfahrungswerten zu kommen.

Ich selbst bin in nächster Zeit auf Einnahmen von Wertpapieren angewiesen und eine Konsequenz aus dieser Episode lautet: vermutlich sind ausschüttende ETF die bessere Wahl für mich. Weil ich damit die Frage umgehe, ob und wann ich Fondsanteile veräußere. Allerdings muss ich mir dann um die Wiederanlage von Ausschüttungen und Dividenden Gedanken machen. So oder so: ich werde nicht darum herumkommen, an meinem Prozess des Kaufens und Verkaufens zu arbeiten.

Und mein Portfolio lasse ich jetzt erstmal weiter im Ungleichgewicht, denn ich halte noch eine große Position oben genannter Aktien.

2 Kommentare zu „Der falsche Verkaufszeitpunkt, autsch

  1. Ob man kauft, oder verkauft – das Market-Timing geht meistens schief.
    Aber:
    Wenn man Aktien nie verkauft, entfallen schon mal 50% der möglichen Fehlerquellen.
    Nur so ein Gedanke 😉
    Ich kaufe regelmäßig Einzelaktien (und verkaufe grundsätzlich nie). Meine einzige Annahme, die ich stelle ist, dass auf lange Sicht die meisten Firmen nicht pleite gehen. Mehr verlange ich gar nicht.

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    1. An der Idee ist was dran, wenn ich mich nicht recht täusche heißt das auch „buy & hold“ 😉 Und das ist in den meisten Fällen auch die sinnvollste Entscheidung. Jedenfalls viel Erfolg weiterhin beim Investieren!

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