Das ändert alles: der für mich wichtigste Milestone auf dem Weg der finanziellen Unabhängigkeit

Eigentlich wollte ich nur die Finanzen meiner Mutter auf Vordermann bringen. Aber bevor ich wußte wie mir geschah bekam ich urplötzlich ein größeres Aktienpaket überschrieben. Na toll, die Finanzen meiner Mutter sind immer noch nicht gerichtet!

Dafür gibt es den unscheinbaren Nebeneffekt, dass ich mein Etappenziel in 1-3 Monaten erreiche, welches ich ansonsten in 3-5 Jahren erreicht hätte: eine psychologisch wichtige Marke mit meinem Portofolio zu knacken (an dieser Stelle Ton einer Fanfare abspielen).

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Ich müsste dazu weiter ausholen, was den Rahmen dieses Blogs sprengt. De facto wird in der Debatte um persönliche Finanzen ein entscheidender Faktor oft weggelassen: die Familie. Ein Großteil der Privatvermögen in Deutschland wird nämlich innerfamiliär transferiert über Schenkungen und Erben, wie jetzt in meinem Fall. Keine Ahnung ob das Leuten normal peinlich ist oder ob man wie üblich in Deutschland nicht über Finanzen redet. Bei mir war es jedenfalls so. Und obwohl mein Portfolio seit ein paar Jahren gut läuft, macht dieser Betrag jetzt doch nochmal einen Unterschied.

Denn ab jetzt kann ich von der Rendite leben. Und das ist das, was unter „finanzielle Unabhängigkeit“ verstanden wird. Davor war es ein „jaaah, also theoretisch mit ganz viel zusammenkneifen…“. Jetzt bin ich im Bereich angelangt, ab dem es realistisch möglich ist Geld zu entnehmen ohne dass der Gesamtbetrag geringer wird. Und sogar noch anwächst. Wenn ich mein derzeitiges Ausgabenniveau zugrunde lege und weiterhin sparsam lebe.

Ich hatte länger überlegt, ob ich den Betrag nennen soll und mich am Ende dagegen entschieden. Denn ehrlich gesagt wirkte es nur so, als wolle ich damit protzen. Mein Haus, mein Auto – oder: meine finanzielle Unabhängigkeit. Statussymbole sind nicht wichtig. Und obwohl ich froh bin diese Marke erreicht zu haben, ist es eigentlich nicht wichtig. Es gibt wichtigere Dinge im Leben als finanzielle Unabhängigkeit. Leben als solches folgt einfach nicht Narrativen wie „…und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende mit einem Berg voll Gold“.

Und von dem Geld leben tue ich erstmal ganz pragmatisch. Zumindest vorläufig. Denn ich habe am heutigen Montag den ersten Tag meines temporären Rentnerdaseins begonnen. Der letzte Arbeitstag war am Freitag. Wegen Selbstkündigung gibt es sowieso kein ALG I und ich möchte auch nicht von deutschen Amtsstuben abhängig sein. Und ich werde erstmal zu zweit bis April 2018 reisend unterwegs sein. Auch das ist nicht neu, ich war vor kurzem erst länger unterwegs. Irgendwie hole ich jetzt das nach, was ich früher… Wobei, das stimmt doch gar nicht. Eigentlich bin ich früher auch schon viel gereist. Verpasst habe ich jedenfalls nie etwas.

Gleichzeitig steckt ein gewisser Angstfaktor in dieser Situation, denn jetzt muss alles so klappen, wie ich es mir vorgestellt habe. Wer mit einem Sparplan ETF bespart kommt nie in die Situation auf einmal sechsstellige Beträge umschichten zu müssen. Aus Renditedreiecken lässt sich ablesen, dass der (im Nachhinein) falsche oder richtige Anlagezeitpunkt über etliche Jahre entscheidende Einfluß auf die Portfolioentwicklung hat. Derzeit stehen die meisten Aktienkurse sehr hoch, insbesondere die US-Indexe kratzen permanent an ihren Allzeithochs. Und ich habe 2 ETFs, die auch nach 3 Jahren Anlagezeitraum noch im Minus stehen. Eigentlich kein besonders guter Moment um Märkte zu kaufen. Und es fühlt sich an wie von einem Zugdach den fahrenden Zug zu wechseln. Aber auch das lässt sich alles lösen.

Ich hatte glücklicherweise sehr viel Zeit (> 100 Stunden) in den letzten Wochen in Gedanken zu meiner Portfoliozusammensetzung gemacht. Ziemlich eindeutig hat mir meine kleine Backtest-Rechnerei vorgeführt, dass ich mit eigenen Portfolio Mixen zumeist hinter dem Weltportfolio lande. Vor 2016 wäre das nicht der Fall gewesen, damals habe ich den Index satt geschlagen mit einem eigenen Welt-Mix mit dem Schwerpunkt USA. Derzeit würde ich aber nicht darauf wetten, dass US-Aktien weiterhin die satten Renditen einfahren wie 2012. Emerging Markets liefen dafür ganz gut. Aber da sind wir in den Kristallkugel-Wahrsagerei-Szenarien, die ich gerne an anderer Stelle ausführe.

Zur Ruhe setzen? Ich glaube kaum. Dazu habe ich zu viele Ideen im Leben. Auch finanziell: Ich arbeite jedenfalls weiter am nächsten Ziel: das 1.000.000 Euro Portfolio. Woah! Eine Millionen! Leider ist das gar nicht mal so viel, denn der Betrag reicht bei einer „save withdrawal rate“ von 4% für ein gutes Mittelklasse-Einkommen. Wie üblich hat man die freie Wahl: entweder Porsche fahren oder frei verfügbare Lebenszeit. Ich weiß jedenfalls, wie ich mich an der Stelle entscheide.

Ich bin jedenfalls gespannt, ob ich mit dynamic oder safe withdrawal rate auskomme. Ein Sicherungsseil habe ich: mein Humankapital mit Hochschulabschluß, noch ganz gutem Alter für den Arbeitsmarkt und Spezialisierung auf einen Bereich (Programmierung), in dem sich derzeit ganz gut verdienen lässt.

Derzeit mache ich erstmal: nichts. Unabhängigkeit heißt ja, dass ich jetzt unabhängig sein kann und nicht erst später. Und mich nicht an das Ziel „unabhängig werden“ ketten muss, dass ich gar nicht mehr unabhängig bin.

PS: jetzt gar nicht erst auf die Idee kommen, jetzt den „Prinz aus Zamunda mit dem Koffer voll mit Geld, der außer Landes geschafft werden muss“-Scam bei mir zu versuchen. Denn so alt bin ich dann doch noch nicht!

Nachtrag Januar 2017: meine angepeilte Zielsumme hatte ich dann Ende Oktober 2016 überschritten und liege derzeit +10% darüber.

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4 Kommentare zu „Das ändert alles: der für mich wichtigste Milestone auf dem Weg der finanziellen Unabhängigkeit

  1. Hi Chris,

    dank Deines Kommentars auf meinem Blog bin ich auch auf Deinem Blog gelandet.
    Dann mal herzlichen Glückwunsch zum neuen Status und der zurückgewonnenen Freiheit! Bei mir wird es wohl noch ein wenig dauern … mit insgesamt 4 Personen im Haushalt braucht es auch ein wenig mehr Kapital 😉

    Wenn Du jetzt erst mal auf Reisen bist, solltest Du mal auf dem Staatenlos.ch Blog vorbeischauen evtl. gibt es ja für Dich noch den ein oder anderen Tipp in Sachen Steuern sparen!

    Viele Grüße
    Anton

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