Der erweiterte Versicherungswahnsinn

Es ist mir ein echtes Rätsel, wie Leute heutzutage eine Wohnung finden. Also mir ist es ja irgendwie gelungen. Aber an sich: das ist ja schon eine echt kafkaeske Bürokratiemaschinerie. Der Vermieter hält immer neue  Stöckchen vor potentiellen Interessenten hoch. Und jetzt: Wuff! Springen! Bellen! Salto!

Und vor allem: noch ein Formular, eine weitere Bescheinigung, Bürgschaften, Beglaubigungen, Auskünfte und Einkünfte -alles muss stimmen, dokumentiert und amtlich zertifiziert sein. In doppelter Ausführung.

Ich weiß nicht, warum Menschen privat bürokratische Apparate imitieren. Obwohl ich mich mit meiner derzeitigen Vermieterin gut verstehe, fasste ich mir doch an den Kopf, als sie mit potentiellen Nachmietern für meine Wohnung sprach. „Ja, und das habe ich bisher immer vergessen – eine Hausratversicherung muss unbedingt sein! Haftpflicht reicht nicht aus, die deckt ja nur den Schaden an einer anderen Wohnung, nicht der eigenen!“

Man muss dazu sagen, dass meine Wohnung weder einen Waschmaschinenanschluß noch einen richtigen Herd hat. Was soll hier bitte passieren? Meine Elektrogeräte habe ich dazu alle mit abschaltbaren Steckdosen gesichert. Aber vermutlich gibt es eine fiese Parallelwelt, in der ich mit Bügeleisen in der Badewanne einschlafe während meine nicht-existenten Haustiere die Wohnung aufessen, bis zum letzten Zügelstein.

Hier werden künstlich weitere Hürden erreichtet, an denen ich scheitern würde.  Denn ich selbst habe weder Haftpflicht noch Hausrat. Dafür habe ich noch nie einen Kredit aufgenommen und noch nie Schulden gemacht. Und nähere mich dem Etappenziel 500.000 Eur in Aktien zu besitzen. Damit falle ich durch viele andere Raster, die Schufa-und Creditreform als lückenlosen Lebenslauf und damit normal voraussetzen.

Ja, ich mag keine Versicherungen. Und neben meiner persönlichen Antipathie möchte ich auch in keiner Gesellschaft leben, in der überall Gefahren gesehen werden. Und die so mit Schutzwällen hochgerüstet ist, dass niemand ohne eine dicke Schutzschicht aus dem oben genannten Papier mehr eine Wohnung bekommt. Wenn ich diese Hürden schon „ganz schön krass“ finde, dann frage ich mich wie jemand mit niedrigerem Einkommen oder sozialen Status eine Wohnung finden soll. Wohnraum sollte bezahlbar sein – und ohne Bürokratiezirkus zu bekommen sein.

(Kurz noch eine Anmerkung: in dem von mir beschriebenen Beispiel geht es ja wirklich um die Vermietung einer Wohnung. Ich könnte noch verstehen, dass ich auf Daten zurückgreife wenn ich als Vermieter große Fallzahlen verarbeiten muss. Aber selbst dann würde ich wohl kaum eine Wohnung nur per reiner Datenauswertung vergeben).

Ich könnte ja auch selbst eine Wohnung kaufen. Das ginge sogar in bar. Das will ich aber nicht. Da ich räumlich ungebunden sein will und noch eine zeitlang sein werde. Und von dem Geld, das ich für eine Wohnung ausgeben würde, lieber per passivem Einkommen lebe. Eine Wohnung nützt mir nämlich recht wenig, wenn ich gerade auf Weltreise bin. Außer ich vermiete sie weiter. Nur muss ich dann hoffen, dass der Vermieter nicht gerade Handwerker benötigt, die ich dann vom  Strand in Thailand aus dirigieren kann. Oder er ausziehen möchte und ich dann einen Nachmieter suchen muss, wenn ich gerade in Nepal stehe.

Ich wäre einzig das Problem mit dem Bürokratiezirkus bei Wohnungssuche los, das ich gegen viele neue Probleme eingetauscht hätte. Da bleibe ich lieber dabei, mich gelegentlich kopfschüttelnd über Vermieter zu wundern.

Und mit notfalls eben doch eine Hausratversicherung zuzulegen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s