Europäische ETF im Vergleich

Aus Neugier und als Versuch habe ich einige europäische ETF miteinander verglichen. Ich selbst bin seit Ende 2013 in den EURO STOXX 50 (Wikipedia) investiert, der seither nicht gut performt hat. Und ich wollte wissen, warum. Hätte ich etwas besser machen können? Kann ich anhand der Zahlen etwas belegen?

Und dabei vielen mir weitere Fragen ein:
Wie kann ich Renditen von ausschüttenden Fonds berechnen?
Welcher europäische Index bringt die meiste Rendite?
Wie unterscheiden sich thesaurierende und ausschüttende Variante?

Dazu habe ich folgende ETF miteinander verglichen.

iShares STOXX Europe 600 UCITS ETF (DE) DE0002635307
Deka EURO STOXX 50® UCITS ETF DE000ETFL029
Deka STOXX Europe 50® UCITS ETF DE000ETFL250
Deka DAX (ausschüttend) UCITS ETF DE000ETFL060
Deka DAX UCITS ETF DE000ETFL011
Deka DAXplus Maximum Dividend UCITS ETF DE000ETFL235
ComStage MSCI World TRN UCITS ETF LU0392494562

Diese ETF habe ich in eine Tabellenkalkulation von Google Docs gepackt mit dem Versuchsaufbau:

Hätte ich am 31.12.201X 10.000 Eur in einen ETF investiert, was wäre bis heute aus diesem Betrag geworden?

ab 2012

europa_2011

ab 2013

europa_2012

ab 2014

europa_2013

ab 2015

europa_2014

ab 2016

europa_2015

Die Gewinner

2012 2013 2014 2015 2016
1. DAX ausschüttend DaxPlus
Dax ausschüttend
Stoxx Europe 50 Dax ausschüttend Dax ausschüttend
2. Stoxx 600 Stoxx 600 Stoxx 600 Stoxx 600 Stoxx 600

Wichtig ist der Benchmark: In den meisten Zeiträumen schneidet der Benchmark am besten ab. Europäische Indizes lagen alle hinter dem MSCI World Index zurück. Auch der DAX. Da man aber noch ETF aus anderen Weltregionen im Portfolio hat, sollte sich dieser Verlust ausgleichen.

Bei den europäischen ETF liegt der DAX vorne. Der Stoxx 600 liegt immer auf dem 2. Platz und ist damit der erfolgreichste der europäischen Indizes. Wichtig ist, dass je länger der Anlagezeitraum ist, desto besser Tendenzen sichtbar sein sollten.

Den DAXplus hätte ich der Übersichtlichkeit halber besser aus diesem Vergleich weggelassen und in einen Vergleich zu Dividenden-ETF gepackt.

Die Interpretation

Es geht immer auch darum, wie ich als Investor auf die Welt blicke. Mit jeder Investition in einen Index investiere ich in den darunter liegenden Markt. Und meine Einschätzung sieht so aus: Deutschland hat es bisher als größte Volkswirtschaft in Europa ganz gut geschafft durch die diversen Krisen der letzten Jahre zu kommen. Der Rest von Europa scheint von Dauerpatienten bevölkert zu sein. Französische Arbeitsmarktreform unter der unbeliebtesten Regierung seit langem? England und ungeklärte Folgen des Brexit? Italienische Banken, die 2016 entdecken, dass sie auf Sand gebaut sind? Schweizer Banken, die einen guten Teil des SMI ausmachen? Das könnte meines Erachtens die Schwäche Europas erklären.
Es gibt in jedem Land auch profitable Firmen. Und vielleicht ist diese länderspezifische Sichtweise für Indizes auch nur begrenzt tauglich, und ich müßte mir stattdessen Einzelwerte ansehen. Nur komme ich dann von Hölzchen auf Stöckchen, d.h. von der Makroebene zu Mikroebene.

Also bleiben wir vorerst bei den Ländern: so enthält der Stoxx 600 (Quelle: iShares) 29,73% Großbritannien, 15,46% Frankreich, 14,41% Schweiz und 13,75% Deutschland. Danach folgt mit weitem Abstand Spanien mit 4,72%. 3 der großen 4 Länder haben derzeit Probleme. Das könnte zumindest die Kursentwicklung in jüngster Vergangenheit erklären.

Bei der Zusammensetzung des Euro Stoxx 50 dominiert Frankreich noch mehr. Im Index dominieren deutsche und französische Firmen. Schweiz und England fehlen komplett.

Es gibt einen anderen Index mit nur 50 europäischen Firmen – den STOXX Europe 50 (wikipedia). In ihm sind Firmen aus UK und Schweiz enthalten. Eigentlich müsste er besser abschneiden als der Stoxx 50. Er schneidet aber in den letzten 4 Jahren allerdings noch schlechter ab als der Stoxx 50.

Ein kurzes Plädoyer pro DAX

Die Zusammensetzung des DAX ist nicht verkehrt. Von den 30 Werten sind nur 2 Banken (was auch erklären dürfte, warum er sich in den letzten Jahren ganz gut geschlagen hat). Er hat eine Schlagseite in Sachen Automobile. Und das sind wohlgemerkt Automarken, die weltweit jeder fahren möchte: Daimler, Volkswagen, BMW. Plus Continental als Automobilzulieferer. Rund um das Thema Automobil dürfte es in den nächsten Jahren sehr spannend werden.
Die deutsche Wirtschaft ist wie die südkoreanische auf Export getrimmt, wodurch sich im DAX entsprechend viele Firmen mit internationale Absatzmärkten finden, dafür weniger heimische Versorger.

„Deutschland bleibt Europas Wachstumführer.“ Die Unternehmen im Dax sollten deshalb höhere Gewinnerwartungen haben als der Rest Europas – zudem sei der Dax deutlich günstiger bewertet als der Durchschnitt in Europa.

Ko-Deutschland-Chef Goldman Sachs in der FAZ

Dieser Sicht würde ich mich anschließen und bullish bleiben. Den in diesem Interview ebenso geäußerten Satz ignoriere ich lieber: „Insgesamt bezeichnet Kukies seine Sicht auf die Märkte derzeit als vorsichtig konstruktiv: „Unsere Erwartung ist, dass es an den Aktienmärkten in den nächsten zwölf Monaten so ähnlich weitergehen wird wie zuletzt, also dass sich positive und negative Bewegungen in der Summe aufheben werden.““
Versuche ich hier einen Gewinner herauszupicken analog zum Stockpicking? Ehrlich gesagt: ja. Ich sehe aber im DAX aktuell das meiste Potential für die nächsten 3-5 Jahre, während Großbritannien erstmal mit dem Brexit zu tun hat, Frankreich mit seinen Arbeitsmarktreformen kämpft und sich dass BIP in Italien als Dauertrend in den negativen Bereich bewegt.

Die klare Aussage ist aber auch, dass ich statistisch auf 30 Firmen aus einem Land wette, während ich im Stoxx 600 breit aufgestellt bin. Wenn ich eine breite Diversifizierung über Länder und die Anzahl der Firmen möchte, dann liege ich mit dem DAX falsch. Das Portal Finanztest hat die Frage nach den europäischen ETF übrigens auch gestellt und kam auf Stoxx 600 als Gewinner. Der DAX wurde nicht mit verglichen. Geäußert wird gegen den DAX im Beitrag zum DAX folgendes Argument: „Eine Anlage außerhalb des Dax hat für Anleger in Deutschland noch einen zusätzlichen Vorteil. Sie entkoppelt die Entwicklung des Aktienportfolios von der wirtschaftlichen Entwicklung des eigenen Landes.“
Ich möchte mich aber aktuell gar nicht von der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland entkoppeln. Das ist in etwa so wie aus Prinzip gegen den FC Bayern München zu wetten, denn er könne ja rein statistisch gar nicht immer gewinnen.

Als Bürger und politisch denkender Mensch finde ich Europa und die Europäische Union großartig. Als Investor frage ich mich, ob man mit den europäischen Indexen nicht einem riesigen Schwindel aufsitzt: nämlich indem man sehr unterschiedliche Länder in einen Topf wirft. Und dabei eine inkommensurable Masse dabei herauskommt. Oder anders gesagt: there is no such thing as Europe. Oder man täte als Investor besser daran sich genau anzusehen, was im ETF-Spar-Menü „Europa“ so alles drin ist.

Basisbanalitäten, auf´s neue belegt:

  • Was von den Zahlen Signal und was Rauschen ist, wäre noch zu klären. Ich kann zumindest sagen, dass der DAX sich in den letzten Jahren besser als die anderen europäischen Indizes geschlagen hat.
  • Haltedauer bestimmt über Anlageerfolg an der Börse. Diesen Satz am besten dick unterstreichen, ausdrucken, und über´s Bett hängen.
  • Die letzten 2 Jahre und insbesondere 2016 ging es vor allem seitwärts mit europäischen Indizes. Die meisten Gewinne wurden vor 2015 eingefahren.

Was ich im Prozess gelernt habe:

  • Das Rechnen mit ausschüttenden ETF ist anstrengend, da ich mir für jeden ETF die Daten der Ausschüttungen per Hand heraussuchen und teils selbst addieren muss. Oder ich vertraue darauf, dass sie bei justetf.com korrekt hinterlegt sind. Die Umrechnung von Fremdwährungen erschwert das ganze etwa bei US-Indexen.
  • Berechnung von Ausschüttungen: Spätestens bei dem Datum eine Abfrage für den Zeitpunkt der Ausschüttung erstellen muss. Und das ist nicht trivial. Bzw. nur ganz grob möglich. Ich habe primitiv mit dieser Abfrage gearbeitet, die aber davon ausgeht, dass ich nur mit Kursen am Ende des Vorjahres rechne. Also Stückzahl des ETF mal Summe der Ausschüttungen pro Jahr:

    =INDIREKT("H"&ZEILE())*(0 +
    WENN(JAHR(G2) < 2012;INDIREKT("S"&ZEILE());0) +
    WENN(JAHR(G2) < 2013;INDIREKT("R"&ZEILE());0) +
    WENN(JAHR(G2) < 2014;INDIREKT("Q"&ZEILE());0) +
    WENN(JAHR(G2) < 2015;INDIREKT("P"&ZEILE());0) +
    WENN(JAHR(G2) < 2016;INDIREKT("O"&ZEILE());0)
    )

    Am besten müsste man die Ausschüttung mit vollständigem Datum hinterlegen (es gibt mehrere Ausschüttungen pro Jahr) und jeweils die Datumswerte vollständig abgleichen, was ich in diesem einfach Beispiel nicht getan habe. Einfacher geht es mit den Thesaurierern, hier sind die Ausschüttungen im Kurs enthalten.
  • Google Tabellen bzw. die Finanzen API kann nur Daten bis 2011 liefern. Das ist ganz schön wenig.
  • Volatilität bilden die Tabellen nicht ab, nur Anfangspunkt und Endpunkt aber nicht, was dazwischen geschah.
  • Es gab selbst bei den gleichen Anbietern Unterschiede zwischen der thesaurierenden und ausschüttenden Variante. Eigentlich sollte die Tracking Difference (TD) gleich sein. Zwischen verschiedenen Anbietern gibt es Abweichungen beim selben Index, was auf die TD rückzuführen ist. Bei Deka trackt der Ausschütter den Preisindex und der Thesaurierer den Performanceindex, was die Sache für mich noch mysteriöser macht. Denn damit müsste der Thesaurier besser abschneiden, da in der Performance auch die Kurse enthalten sind.
  • Es lässt sich für mich nicht zweifelsfrei feststellen, ob Unterschiede beim Preis bei unterschiedlichen Anbietern (Deka und iShares) auf die TER oder TD zurückgehen. Entweder der 0.1 Prozentpunkt, den Deka günstiger ist, drückt sich in der Rendite aus oder ist nur auf eine Abweichung des Tracking zurückzuführen.
  • Weit zurückreichende Zeiträume lassen sich nicht berechnen, da die meisten ETF verhältnismässig jung sind.
  • Die Dividendenstrategie mit dem DAXplus und 20 dividendenstarke deutsche Aktien schlägt sich erstaunlicherweise für einige Zeiträume ganz gut. Auf den längsten Zeitraum ab 2011 fällt sie dann aber deutlich hinter den DAX zurück.
  • Das ganze Vorhaben hat immens viel Zeit in Anspruch genommen und wurde viel zu komplex. Die Dividenden hätte ich besser komplett weggelassen. Nächstes Mal: weniger vergleich ist mehr.
  • Eigentlich ist das Rechnen die Mühe nicht wert. Ich kratze an der Oberfläche und bin noch weit davon entfernt sinnvolle Zahlen zu produzieren. Der Zeitaufwand ist hoch. Und nur um herauszufinden, dass ich mit alles hätte sparen können: mit dem Invest in den MSCI World.

Fazit

Ja, ich habe Äpfel mit Birnen verglichen. Am Ende gibt es aber nur Obst: nämlich die Rendite. Wenn es um Investments geht, bin ich Opportunist. Ich gehe davon aus, dass sich auch in den nächsten Jahren Deutschland ganz gut schlagen wird. Und ich bin froh, dass mir die Unzufriedenheit mit dem Investment in den EURO STOXX 50 so viel Energie gegeben hat, mir Indizes näher anzusehen. Und wenn es eine Lektion gibt, die ich mir mitgenommen habe: sich näher ansehen, was in dem Index genau drin ist. Und prüfen, ob man in diese Firmen und Länder investieren möchte oder nicht.

Für mich war das auch die Fingerübung: wie kann ich so ein Rechensheet überhaupt selbst bauen? Ich habe nebenher weitergebaut und ein Spreadsheet erstellt, mit dem ich mein Portfolio gegen ein 70/30 Weltportfolio als Benchmark testen kann. Da wird es dann interessant.

Hinweise:

  • Auf dem Blog von teilzeitinvestor.de gibt es einen Beitrag, der die Grundlagen von Google Finance in Google Docs beschreibt. Kudos.
  • Ich habe nicht hinsichtlich Performance- vs Kursindizes differenziert.
  • „Wert heute“ entspricht dem Kurs vom 21.09.2016.
  • Deka DAX UCITS ETF und ComStage MSCI World TRN UCITS ETF sind Thesaurierer, daher gibt es hier keine Ausschüttungen.
  • Ausschüttungen sind bereits Netto-Werte mit abgezogener Abgeltungssteuer.
  • Einige Spalten der Tabelle wie die Ausschüttungen nach Jahren sind in den Screenshots ausgeblendet.

Disclaimer: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.

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