Es knarzt und knackt die Wette auf die Deutsche Bank

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Das hatte ich mir so schön gedacht: als Contrarian eine Flopaktie herauspicken und eine Langfrist-Wette darauf abgeben. In einer Branche, die ich eigentlich nur mit der Kneifzange anfassen würde. Es ist eigentlich müssig, jetzt über diese Idee zu diskutieren, denn das Resultat wird man erst in 3-5 Jahren sehen.

Ich habe kurz nach dem damaligen Allzeittief Ende August eine größere Position Deutsche Bank Aktien eröffnet. Und habe dies klar für mich als „Risikokapital“ gekennzeichnet. Mit Einbeziehung der Möglichkeit, dass der investierte Betrag weg sein könnte.

Mitte August sah es so aus, als würde man nun langsam ans Ende der Skandale kommen. Und der Kurs stieg und stieg und ich freute mich. Jetzt ist alles auf dem Tisch, so dachte ich mir zumindest. Und der neue Besen bzw. Vorstandsvorsitzender John Cryan kehrt gut und meint es ernst, im Unterschied zu seinen Vorgängern. Und die Bank ist 2008 nicht in die Insolvenz gegangen und wird es daher auch heute nicht tun. Dazu kommt, dass langsam erste Anzeichen des Endes der Niedrigzinsphase zu Erkennen sind (Stichwort: Jackson Hole), was sich für Europas Banken sicher auch in 1-3 Jahren bemerkbar machen wird.

Nichtsdestotrotz hatte ich nicht erwartet in der Ära Cryan und auch nicht seines Nachfolgers allzu viele Fortschritte zu sehen. Die Aufräumarbeiten dauern, dazu ist die Deutsche Bank ein Schatten ihrer Selbst. Die Berichte wie etwa in der FAZ über das Versagen im Stresstest und Unterkapitalisierung fand ich überzogen. Bis letzten Freitag auf einmal die 14 Milliarden Dollar Forderung des US-Justizministeriums auf den Tisch kam. Das könnte meine Wette torpedieren. Aber an der Stelle weiß man nichts genaues und ich vermute, dass das US-Justizministerium pokert und nicht vorhat, „The Deutsche“ 6 Fuß tief zu schicken. Es kann aber auch sein, dass ich komplett falsch liege. Und der Markt reagiert erstmal mit einer rasanten Talfahrt.

Eine vernünftige Zusammenfassung des aktuellen Stands gibt es von Ed Caeser auf newyorker.com (Randnotiz: der Wirtschaftsteil im New Yorker ist überschaubar aber qualitativ hochwertig).

Ich habe mich dagegen entschieden, jetzt etwas zu unternehmen. Meine Wette gilt nach wie vor. Und wenn ich klug wäre, würde ich ab jetzt alle News, Meinungen, Einschätzungen und sonstiges zur Deutschen Bank ignorieren. Denn ich erfahre hier absolut nichts für mich relevantes. Außer dass diese News somatische Reaktionen in mir auslösen: Ja! Nein! Oh Gott! Hoffen! Bangen! Und nichts davon nützt in diesem Moment.

Ich sollte frühestens am 1.1.2019 nachsehen, ob in meinem Portfolio eine Leerstelle steht, wo vorher Deutsche Bank stand. Oder ich einen schönen Profit mitgenommen habe. Davor macht all das überhaupt keinen Sinn. Meine Aussage lautete klar und präzise: Ich wette darauf, dass die Deutsche Bank Aktie irgendwann in 3-5 Jahren deutlich höher als 12 Eur steht.

Hätte ich die Position besser mit einer Stop-Loss-Order absichern sollen? Das macht m.E. bei kürzeren Zeiträumen Sinn, bei langfristigen Wetten bin ich bereit Phasen von Kursverlusten durchzustehen. Ich könnte diesen Beitrag abschließen mit der Floskel: „Ich bin gespannt, ob…“. Aber „gespannt sein“ ist kontraproduktiv in diesem Fall. Ich bin gelassen und warte ab.

Disclaimer: dies ist keine Aktienanalyse oder -beratung sondern eine private Meinungsäußerung.

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