Die Geschichte vom Traumjob

Am Anfang hörte sich der neue Job einfach nur zu gut an: Ich wohne in einer Großstadt. Ich komme überall mit dem Rad bequem hin. Und bin zu Fuß von meiner Wohnung in 8 Minuten im Büro. Das Büro der Softwarefirma befindet sich in einem mondänen, alten Bürohaus in dem ansonsten Anwaltskanzleien und Consulting-Firmen residieren.

Ein Macbook als Arbeitsgerät ist selbstverständlich, alles erwünschte Zubehör darf ich mir auch bestellen. Der Kaffee kommt aus einer edlen Siebträgermaschine. Man fährt mit der Firma schon mal auf die Kanarischen Inseln, um von dort aus ein paar Tage lang zu arbeiten. Und geht des öfteren auf Firmenkosten mit allen zusammen essen. Einmal die Woche wird zusammen gekocht.

Ich höre an der Stelle auf. Denn all das sagt nichts aus über das, was der Job für mich bedeutet hat. Es ist die Oberfläche, die ich hier beschreibe, sonst nichts. Denn es passte für mich nichts in dieser Firma. Die Firma empfand ich als autoritär, der Geschäftsführer hatte das klassische Verhalten von 90% Laissez faire und dem 10% aggressivem Dominanzverhalten als unabdinglichen Gegenstück. Ich war dazu permanent unterfordert, da es nur wenige Arbeitsaufträge gab. Am Anfang arbeitete ich noch an eigenen Softwareprojekten, später recherchierte ich zu Firmengründungen, startete nebenbei 3 Blogprojekte und beschäftigte mich tagelang mit Aktieninvestments. Und langweilte mich dabei zu Tode.
Ich stehe auch nicht mehr an Beginn meines Berufslebens, so dass ich dies als Lehrzeit verbuchen würde. Unterforderung ist auf Dauer genauso auszehrend wie Überforderung. Zumal mit ihr immer Scham und Schuld einher gehen: man müsste doch eigentlich etwas tun! Wenn ich im Arbeitsleben eins gelernt habe, dann dies. Konsequenz für mich: nichts wie raus hier.

Für mich war der Job der goldene Käfig. Trotz der guten Bezahlung. Eigentlich habe ich nur festgestellt, dass das Angestelltendasein in dieser Form für mich nicht passt. Und ich glaube, darum geht es am Ende immer: herauszufinden, was für einen in einem bestimmten Lebensabschnitt passt.

Und so kann ich mich nicht dem Rat anschließen, der in Finanzblogs gerne geäußert wird: Arbeiten und Sparen! Sparen und Arbeiten! Und das min. 20 Jahre! Schön, wenn man über Jahre irgendetwas tun kann, nur um an Geld zu kommen und sich dann zu verabschieden. Ich könnte das nicht. Ich verzichte lieber auf das Geld und entscheide mich für meine Autonomie. Denn der Tausch „Lebenszeit gegen Geld“ funktioniert für mich nur bedingt. Und ich bin in der glücklichen Lage, dass ich mir aussuchen kann ob, wo und wie ich arbeite.

Alles in allem: man kann auch ohne Traumjob leben. Und ohne der permanenten Optimierung der eigenen Existenz mit Sparplänen und Konsumausgabenvermeidungsstrategien (nicht dass beide falsch wären). Leben verläuft oft nicht nach Plan. Und sowohl für Arbeit als auch Finanzplanung gilt: diese sollte dem eigenen Leben dienen, nicht umgekehrt.

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