Achtung, Portfolio-Umbauarbeiten!

„Achtung, Bauarbeiten“ – so ein Schild könnte ich aktuell an mein Portfolio hängen. Es ist aus dem Gleichgewicht geraten, seit ich Anfang diesen Jahres eine größere Position einer Aktie als Schenkung erhalten habe.

Dazu hatte ich mich von einem iShares ETF auf den S&P500 getrennt, der mir mit einer TER von 0,4% zu teuer wurde ich dazu auf einen Thesaurierer wechseln wollte, was den ETF-Anteil des Portfolios massiv einschränkte.

Um es kurz zu machen: ich sehe Asset Allocation und prozentuale Verteilung als unverbindlichen Vorschlag. Kann man so machen, muss man aber nicht. Die meisten machen es aber dann doch genau so. Ich nicht. Ich selbst teile nicht die Prämisse, dass durch eine genau prozentuale Aufteilung nach Plan Erfolg garantiert ist.

Da ich es bisher noch nicht erläutert habe: Ich betreibe eine Mischung aus Aktien-ETF Portfolio und Value/Growth Investment. Letzteres heißt Stockpicking basierend auf fundamentalen Zahlen und diese ausgewählten Einzeltitel mit buy & hold halten. Derzeit ist mein Etappenziel eine vernünftige Mischung aus Aktien und ETF zu erreichen. Aus dem Bauch heraus: 50% ETF und 50% Aktien. Denn der Ist-Zustand heißt gerade: 86% liegen in Einzeltiteln. Das ist definitiv zu viel, da sehr konkret das Risiko besteht den Marktdurchschnitt zu underperformen. Ich klammere an der Stelle den Aktienteil des Portfolios aus, da das wirklich zu weit führen würde. Langfristig werde ich den ETF-Anteil in den nächsten Jahren zunehmend nach oben korrigieren. Vermutlich analog zur Barbell-Strategy: 80% sicher anlegen, den Rest in aggressive Wetten stecken. Aber das hat alles noch Zeit.

Warum schätze ich das so ein? Die oben erwähnte Schenkung bestand aus einer Position BASF Aktien (derzeitiger Marktwert circa 120.000 Eur), die ich komplett auflösen werde. Nur geht das nicht so einfach. Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Verkauf? Zumal die Aktien vor 2009 angeschafft wurden. Damit würde sich ein möglichst hoher Verkauf lohnen, um das Einsparen der 25% Abgeltungssteuer auch auszunutzen. Aber ob der Kurs der Aktie noch steigt – man weiß es nicht. BASF ist ein „Stalwart“ (Peter Lynch) und ein sehr träger noch dazu. Mit längerer Wartezeit steigt demnach die Chance, dass der Index davonklettert. Ich habe mir ein Zeitfenster von 6 Monaten gesetzt, um diese Position aufzulösen. Und schon mit einem Teilverkauf begonnen. Wenn dieser Betrag in ETF umgeschichtet ist, liegen ETF und Aktien mit 50:50 wieder gleichauf.

Wer ausgetauscht werden muss, ist ein ETF auf den EuroStoxx 50. EuroStoxx 50 – da kann ich mein Geld auch gleich … [passende Metapher bitte hier einfügen]. Die 12.000 Eur, die ich Ende 2013 hier anlegte, haben mir bis auf die Dividenden keine Freude bereitet: Kursentwicklung -400 Eur. Und der Blick auf den Chart zeigt: der Index konnte noch nie etwas, wollte noch nie etwas und kennt seit vielen Jahren nur eine Richtung: seitwärts.

Warum ich aber dennoch mit dem Verkauf zögere ist nicht unerheblich. Es ist nicht vollends abschätzbar, ob ich diesem Trugschluß unterliege: in Europa lief in den letzten Jahren mies, also läuft es in Zukunft auch mies. Evtl. verabschiede ich mich aus einer Anlage kurz vor ihrer Erholung. In Europa bzw. Deutschland bin ich ansonsten mit wenigen Einzeltiteln investiert. An der Stelle denke ich auf jeden Fall nochmal darüber nach, ob nicht gerade jetzt bei niedriger Bewertung und Krisendiskurs ein Einstieg in einen vernünftigen europäischen Index lohnt, etwa den Stoxx 600. Kontrazyklisch gedacht wäre jetzt eine Kaufchance da. Aber ich sehe in erster Linie eine demographische Überalterung, ineffiziente politische Institutionen und die Politik der EZB, deren Quantitative Easing offenbart: auch mit fiskalpolitischen Maßnahmen lässt sich nicht künstlich Wirtschaftswachstum stimulieren.

Die ganz große Diversifizierung über Weltregionen erreiche ich über die ETF im Portfolio. Allerdings gilt hier: ich entscheide mich statt eines ETF auf den MSCI World für einzelne ETF für Regionen und nehme den S&P500. Ich traue der US-Wirtschaft auch in Zukunft viel zu. Und zwar so viel, dass ich US-Aktien übergewichten möchte. Der größte Anteil meines Portfolios sollte also in Large Cap US liegen. Da mir bei diesen Summen langsam das Emittentenrisiko zu groß wird, werde ich evtl. in verschiedene ETF auf denselben Index investieren: Source S&P 500 UCITS ETF A ISIN DE000A1JM6F5 sowie ComStage S&P 500 UCITS ETF LU0488316133. Gerade ersterer ist mit einer TER von 0,05% extrem günstig, aber bei der Liste der Kontrahenten gruselt es mich.

Ein weiterer Punkt, der bei ETF gerne vergessen wird: Das Währungsrisiko. Und dieses definiere ich als Möglichkeit, dass mein Geld in einer Monopoly-Spielgeld-Währung angelegt ist, die außerdem der Eurozone keinen Wert darstellt. Und das ist heute schon der Fall. Innerhalb der Eurozone habe ich kein Problem mit der Währung. Außerhalb erscheinen mir Preise auf einmal unfassbar teuer. An dem Punkt bin ich ziemlich bearish und daher versuche ich so viel Geld wie möglich in USD oder anderen Währungen anzulegen, jedenfalls raus aus dem Euro.

Ein kleineres Problem ist an der Stelle, dass sämtliche für mich in Frage kommenden ETF gerade von ComStage aufgelegt sind (vornehmlich: niedrige TER und steuereinfach). Und ich möchte hier das Risiko auf verschiedene Anbieter streuen.

etf_portfolio_soll

Source S&P 500 UCITS ETF A ISIN DE000A1JM6F5
ComStage MSCI USA Small Cap TRN UCITS ETF I LU0392496005
ComStage MSCI Emerging Markets TRN UCITS ETF I LU0635178014
ComStage MSCI Pacific TRN UCITS ETF I LU0392495023
DK EURO STOXX 50 DE000ETFL029
DK MSCI CHINA DE000ETFL326
db x-trackers CSI300 UCITS ETF 1C LU0779800910

Und so stelle ich mir den ETF Anteil meines Portfolios in der nächsten Ausbaustufe vor. Ich gebe es gerne zu: ich koche nicht nach den üblichen 70/30 oder ähnlichen Rezepten. Bei mir ist entgegen der Lehrmeinung doch sehr viel Wette drin. Konkret: dass die USA und bestimmte Regionen sich auch in Zukunft besser entwickeln als andere. Mir ist Rendite wichtiger als vermeintliche Risikovermeidung durch Streuung über Regionen. Durch Korrelation der Aktienmärkte in der entwickelten Welt wäre die Frage, ob ich mit Streuung wirklich etwas erreiche in Sachen Risikovermeidung. Was noch fehlt ist die Eurozone. Ich halte derzeit noch größere Positionen deutscher Aktien, sobald ich diese auflöse würde ich wohl in den Stoxx 600 investieren. Dann hätte ich den MSCI World in Sachen Regionen nachgebildet, mit eigener Gewichtung.

Ich lasse diesen Artikel für das erste so offen stehen. Das ist work in progress und einiges wird sich noch ändern. Es macht sehr oft Sinn, Ideen eine zeitlang im Inkubator liegen zu lassen.

Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

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