Das eigene Denken monitoren

Man hat es ja nun oft genug gelesen. Und weiß es eigentlich. Das größte Problem beim Handeln an der Börse… Der Hauptgrund für Mißerfolg… Die Quelle aller Fehler…

…sitzt vor dem Monitor.

Die meisten Fehler gehen schlicht auf das menschliche Ego und seine sehr ausgefeilten Strategien zurück, sich selbst zu täuschen. Etwa wenn ich mir einrede, dass ich selbstredend den Durchschnitt des Marktes locker schlagen kann. Die anderen Anleger können doch alle nichts!

Dass diese Logik nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, zeigen verhaltspsychologische Experimente seit Jahren. Markt-Teilnehmer oder Autofahrer (vermutlich eher Männer!) überschätzen ihr Können systematisch. Zu deutsch: Sie fallen auf eine Selbstüberschätzung herein.

Deswegen gibt es die Behavioral Finance, die alle menschlichen Fehler versucht zu erfassen. Eines der schönsten Bücher dazu ist „Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen“ von Rolf Dobelli. Hier werden schön alle Tricks aufgelistet, mit denen man sich selbst überlistet. Zugegeben: viele der Fehler hört man im Grundstudium der Geisteswissenschaften in der Einführung in Methoden in den ersten Seminaren. Nur ist das dort Gelernte genau so schnell wieder vergessen.

Und ich kann inzwischen sagen: ob ich darüber gelesen habe, oder den Fehler selbst gemacht habe, macht einen massiven Unterschied aus. Nicht dass das Lesen darüber sinnlos wäre. Nur ist der Effekt einen Verlust am eigenen Leib gespürt zu haben ein deutlich anderer. Man kann das etwa nachlesen in Jack Schwagers Interview mit Mark D. Cock in „Stock Market Wizards“. Der Mann hat bei seinem dritten Trade sein komplettes Vermögen verloren. Was er aber als Anlaß sah mit „I want my money back“ sich zum Options-Trader und Funds-Manager hochzuarbeiten. Schön, wenn man so drauf ist.

Ich ticke da ehrlich gesagt anders. Ich habe mich über viele Jahre langsam an den Aktienmarkt herangetastet.Denn es gilt wie üblich die Regel Nummer 1: „Never lose money.“ Und erst jetzt, wo ich mir halbwegs sicher bin, traue ich mir mehr zu.

Das wichtigste Werkzeug für die Fehlervermeidung ist für mich mein privates Aktien Journal. Hier schreibe ich in einem Textdokument in Prosaform alle Gründe auf, warum ich zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Entscheidung getroffen habe. Um das eigene Handeln nachvollziehbar zu machen. Dieses Jahr habe ich immerhin schon 30 Seiten zusammen. So kann ich wenigstens im Nachhinein Denkfehler aufspüre (bzw. verfügt mein Zukunfts-Ich über diese Fähigkeit, das Gegenwarts-Ich meistens nicht). Unter Vorbehalt, denn teils ist aber die Suche nach Fehlern schon ein Fehler: „Hätte ich mich damals nur anders entschieden!“ Nur konnte man oft bestimmte Fakten nicht wissen. Geschichte und Börse verlaufen nicht logisch, auch wenn es im Nachhinein so aussehen mag. Und ich weiß von Ereignissen erst wenn sie passiert sind und alle anderen auch davon wissen.

Und viel Fehlerpotential hat nicht mit logischen Gedanken zu tun. Sondern ist Ungeduld, übertriebene Gier, temporärer Enthusiasmus oder die Illusion zu denken dass man etwas weiß.

Denn das tut man in den seltensten Fällen.

Eine kurze Anmerkung noch zu Lektüre: Obwohl ich die Anlagephilosophie von James Montier mag, ist sein „The Little Book of Behavioral Investing“ zum Einschlafen langweilig und wenig praxistauglich. Rolf Dobelli taugt da eher, ebenso alles von Nassim Taleb.

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